Kampiringisa (Deutsch)

Der Ort an dem wir nicht leben wollen

Kampiringisa (Deutsch)

Martha ist frei! Für die elfjährige Martha beginnt heute ein neues Leben. Endlich raus aus dem Kindergefängnis Kampiringisa, endlich keine Einzelinhaftierungen oder Schläge mehr, endlich ein Zuhause, genug zu essen, endlich Schulbildung und Zukunftsaussichten. Dabei sah Martha‘s Leben vor wenigen Tagen noch so hoffnungslos aus.

Martha wurde vor drei Jahren,  sie war damals acht Jahre alt, von ihrer Stiefmutter nach Kampiringisa gebracht. Dabei hatte Martha keine Straftat begangen. Sie hatte zu Hause Essen geklaut, da sie hungrig war. Das war für die Stiefmutter Anlass genug, die ungeliebte Martha nach Kampiringisa zu bringen. Ohne Gericht und ohne Befragung wurde Martha aus der Familie gestoßen.

Kampiringisa ist der gefürchtete Ort in Uganda, mit dem alle Eltern ihren Kindern drohen, wenn sie nicht parieren. Nicht ohne Grund, er hat den Ruf ein zukunftsloser, stinkender und unschöner Ort zu sein. Kampiringisa liegt nur einige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Kampala und dort sind meist mehr als dreihundert Kinder im Alter zwischen drei und siebzehn Jahren untergebracht. Die Kinder sind überwiegend Straßenkinder oder solche, die von ihren Eltern, Verwandten oder Stiefmüttern unter zwielichtigen Anschuldigungen abgegeben wurden. Die meisten Kinder sind unschuldig inhaftiert und müssen bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr bleiben. Sie können nur entkommen, wenn sie von einem Elternteil, Verwandten oder Stiefeltern abgeholt werden – was so gut wie niemals geschieht.

Als Martha in Kampiringisa ankam, musste sie zuerst sechs Wochen lang in dem sogenannten „Dark Room“ verbringen. Ein kleiner Trost war, dass sie nicht alleine war. Einige Tage zuvor hatten Straßenreinigungen in Kampala stattgefunden, bei denen Straßenkinder eingesammelt wurden. Dieses Mal wurden ca. 30 Straßenkinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren in LKW’s angeliefert. Der „Dark Room“ ist als Rehabilitierungsmaßnahme für Neuankömmlinge gedacht. In dem Raum steht kein einziges Möbelstück, es gibt weder Matratzen noch Decken für die Kinder, der Boden ist aus Beton und die Wände sind kahl und dunkel. Die Kinder dürfen nur kurze Hosen und keine Oberteile tragen. Und die Nächte sind kühl in Kampala! Die Aufgabe der Aufseher ist es, für Ruhe zu sorgen und durchzugreifen. Die strikten Methoden können nicht gerade als europäischer Standard bezeichnet werden. Häufig muss das ein oder andere Kind mehrere Tage oder Wochen in einer Isolationszelle verbringen – das meistens grundlos.

Das Leben in Kampiringisa ist so eintönig wie das Essen, das täglich aus Maisbrei und gekochten Bohnen besteht. Einige der älteren Kinder arbeiten auf den angrenzenden Feldern. Was sie hier erwirtschaften, dürfen sie nicht behalten – noch nicht einmal eine Frucht dürfen sie von den Feldern nehmen. Was mit den Erlösen passiert ist nicht klar.

Die einzigen Lichtblicke in all dem Elend, sind die wöchentlichen Besuche von Foodstep. Die Mitarbeiter der kleinen NGO bringen den Kindern von Kampiringisa jede Woche ein klein wenig Hoffnung. Sie zeigen Präsenz, bringen gutes Essen, medizinische Versorgung und Kleidung. Zusätzlich sorgen sie für ein paar Stunden Unterhaltung, geben Vorträge und führen aufmunternde Gespräche mit den Kindern. Seit den Besuchen von Foodstep hat sich die Lage für die Kinder in Kampiringisa etwas verbessert.  Als Nathalie, die Leiterin von Foodstep, das erste Mal Kampiringisa vor fünf Jahren besuchte, fand sie schreckliche Zustände vor. Die Fäkalien stapelten sich in den Schlaf- und Wohnräumen der Kinder, da die Toiletten verstopft und kein fließendes Wasser vorhanden war. Überall waren Kakerlaken und Ratten, die sich wie im Paradies fühlten in den dreckigen, stinkenden Räumen. Die Kinder konnten sich nicht waschen und Läuse und Würmer wucherten auf und in den Körpern. In den „Dark Rooms“ durften die Kinder keine Kleidung tragen. Es gab weder Schulbildung, noch medizinische Versorgung, keine Matratzen und schon gar kein Spielzeug. Wenn die Jugendlichen mit 18 Jahren entlassen wurden, waren sie dazu verdammt, wieder auf der Straße zu leben, da sie nichts gelernt hatten.

Natalie hat zuerst dafür gesorgt, dass die Räume gereinigt wurden und hat gleichzeitig einzelne Kinder-Gruppen eingeteilt, die jeden Tag putzen. Durch Spenden hat sie Teller und Matratzen sowie Moskitonetze für die Kinder besorgt. Jedoch erlaubt die Kampiringisa- Verwaltung nur, dass sich zwei bis drei Kinder eine Matratze teilen. Die Wasserpumpe hat sie mit Hilfe der Gefängniskinder wieder funktionsfähig gemacht. Durch weitere Spenden hat sie vereinzelten Kindern ermöglicht, die staatliche Schule im Dorf zu besuchen. Zusätzlich hat sie ein paar Jugendlichen eine handwerkliche Ausbildung z.B. als Schreiner ermöglicht. Diese Jugendlichen geben wiederum ihr Wissen an andere Insassen weiter. In dem „Dark Room“ konnte sie nur durchsetzen, dass die Kinder zumindest Hosen tragen dürfen. Bei Verletzungen oder Krankheiten stellt Foodstep sicher, dass diese ärztlich versorgt werden.

Diese Verbesserungen sind aber nicht von heute auf morgen gekommen. Es hat lange gedauert und sehr viel geduldiges Verhandeln mit der Kampiringisa-Verwaltung. Damit Nathalie den Kindern helfen und die Bedingungen im Gefängnis verbessern konnte, hat sie vor vier Jahren eine NGO gegründet. Die NGO besteht aus drei Mitgliedern: Nathalie, ihrem Mann Werner und vor eineinhalb Jahren ist Mariska dazugekommen. Finanziert wird die NGO rein nur aus ihrem Privatvermögen und aus einzelnen Spenden.

Da Foodstep nicht nur die Bedingungen im Gefängnis verbessern, sondern auch einigen Kindern eine Zukunft geben wollte, hat sie angefangen, nach und nach Kinder aus dem Gefängnis zu holen. Die Kampiringisa-Verwaltung erlaubt dies nur, wenn Sponsoren für das jeweilige Kind gefunden werden. Das erste Kind hat sie vor ca. einem Jahr aus dem Gefängnis geholt und die Zahl ist mittlerweile auf über fünfundzwanzig Kinder angewachsen. Damit die Kinder ein schönes Zuhause haben, hat Foodstep ein Haus direkt am See Victoria angemietet. Sie hat zwei Sozialarbeiter angestellt, die sehr liebevoll mit den Kindern umgehen, da die beiden selbst einmal Waisenkinder waren. Jedes Kind hat ein eigenes Bett und darf zur Schule gehen.

Die Kinder, die Foodstep aufgenommen hat, sind sehr begabt und unglaublich dankbar. Da sind zum Beispiel John und Frank. Für die beiden Brüder wurden die Großeltern gefunden und ein Sozialarbeiter brachte die Kinder zu ihnen. Als die Kinder jedoch mit der Großmutter alleine waren, goss sie heißes Öl über John  und jagte die beiden davon. Ein anderes Beispiel ist der 8-jährige Tom. Seine Mutter wurde kontaktiert und sie kam eines Tages mit einem Kind auf dem Rücken nach Kampiringisa. Tom war außer sich vor Freude. Die Mutter hatte allerdings keinen festen Wohnsitz und in Uganda gibt es ein Gesetz, dass eine Mutter nur zwei Kinder auf der Straße mit sich führen darf. In dem Kampiringisa-Gefängnis war aber noch eine Schwester von Tom. Zu seinem Unverständnis hat sich die Mutter für Tom’s Schwester entschieden. Tom blieb alleine von der Mutter verlassen in Kampiringisa zurück. Er hatte fünf Wochen nicht gesprochen, nur geweint und sich alle Haare ausgerissen. Erst heute kann Tom wieder lachen.

Martha kann nun auch wieder lachen, da sie heute, mit elf Jahren, aus Kampiringisa entlassen wurde. Die Verhandlungen mit der Kampiringisa-Verwaltung waren schwierig, aber am Ende doch erfolgreich.  Wie gut, dass Martha nun auch endlich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann, da sie bereits morgen zur Schule gehen darf, nicht mehr eingesperrt ist und ein schönes Zuhause hat.

Nathalie’s Wunsch und Ziel ist es, auf einem nahegelegenen Grundstück  direkt am See Victoria eine kleine Pension mit Restaurant, sowie eine Farm mit Gemüseanbau und Tieren mit ehemaligen Gefängniskindern aufzubauen. Damit hofft sie, dass sie sich zum größten Teil selbst finanzieren und noch viele weitere Kinder aus Kampiringisa holen kann. Das Grundstück hat sie bereits von einem Belgier geschenkt bekommen. Hoffentlich kann der Startschuss für den Beginn bald losgehen, damit sie vielen weiteren Kindern eine Zukunft und einen Lebensinhalt geben kann.

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Willst Du den Kampiringisa Kindern helfen?

Foodstep leistet in Kampiringisa hervorragende Arbeit. Wenn Du das Bedürfnis hast, dieses Projekt zu unterstützen und den Kindern zu helfen, dann wende dich bitte direkt an Foodstep Uganda.

Foodstep Uganda Ltd
Telephone:    +256 (0) 718 969 969
Post: PO Box 1093 Entebbe, Uganda.
Email:  foodstep@hotmail.com
Location: Bwerenga, Wakiso district.

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