Reiseapotheke

Reiseapotheke

Zu jeder Afrikareise gehört auch eine sehr fundierte Reiseapotheke. Deren Ausstattung wird durch Reiseland, Reisedauer und Reiseart in Afrika bestimmt.

Allgemeines zur Reiseapotheke

Wichtig bei einer Afrikareise ist das Zusammenstellen der Reiseapotheke vor der Reise. Viele der Medikamente sind in Afrika nicht erhältlich, veraltet oder gefälscht. Allerdings sind in einigen Ländern auch Arzneimittel günstiger als in Deutschland. Es ist aber empfehlenswert, diese nur als Ergänzung unterwegs zu kaufen. Wichtig ist, dass das Verfalldatum der Medikamente in der Reiseapotheke noch nicht abgelaufen ist. Das Datum bei Flüssigkeiten und Salben gilt nur für ungeöffnete Packungen. Viele Medikamente sollen oder dürfen nur bei bestimmten Temperaturen gelagert werden. Da im Reisefahrzeug das Thermometer schnell über 40 – 50 C klettern kann, wenn es in der Sonne parkt, ist es sinnvoll die empfindlichen Medikamente in einer stabilen und isolierten Kiste aufzubewahren.

Die Grundausstattung

Wunddesinfektion: Ein gutes Desinfektionsmittel darf in der Reiseapotheke auf keinen Fall fehlen. Um Infektionen zu vermindern, werden Wunden desinfiziert. In der Regel reicht eine einmalige Anwendung eines geeigneten Desinfektionsmittels. Falls Zeichen einer Infektion vorliegen, wird die Anwendung bis zum Verschwinden der Symptome, nicht länger als zwei bis sechs Tage, fortgesetzt. Während bei lokal begrenzten Wundinfektionen Desinfektionsmitteln ausreichen, müssen bei Allgemeininfektionen und Hinweisen einer Blutvergiftung systemische Antiinfektiva verabreicht werden. Die zurzeit am besten geeigneten Wirkstoffe zur Wunddesinfektion sind Octenidin, Povidon-Iod und Polihexanid.

Povidon-Iod (Betadine®)
Octenidin (Octenisept® enthält zusätzlich Phenoxyethanol)
Polihexanid (Lavasept®)
Chlorhexidin (Merfen®, Bepanthen plus®)
Silbersulfadiazin (Flammazine®, Ialugen plus®)

Verbandmaterial: Sinnvoll ist das Ergänzen des Erstehilfekastens im Auto. Dieser hat zwar schon eine gute Grundausstattung, sollte aber auf jeden Fall erweitert werden:

Augenkompresse – einzeln steril verpackt
Einmalhandschuh
Dreieckstuch
Heftpflaster
Kälte- Sofortkompresse
Pflaster zum Sprühen
Rettungsdecke
Wundkompressen (sterile)
Mullbinden
Elastische- Binden
Klebeband
Pflaster
Splitterpinzette

Schmerz- und Fieber Medikamente: Medikamente gegen Fieber und leichte bis mittlere Schmerzen füe die Behandlung von Fieber, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Gliederschmerzen, wie Erkältungen. In Regionen in denen Gelbfieber auftritt, sind blutverdünnende Stoffe wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac ungeeignet. Hier hat sich Paracetamol in der Vergangenheit bewährt. Es wird empfohlen, Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen nicht an mehr als an 1-2 Tagen pro Woche einzunehmen. Dies entspricht 4-8 Einnahmetagen pro Monat.

Paracetamol ist ein fiebersenkender und schmerzlindernder Wirkstoff zur Behandlung von Fieber und/oder Schmerzen verschiedener Ursachen. Im Gegensatz zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmern ist Paracetamol nicht entzündungshemmend, aber bei längerer Anwendung besser verträglich.

Paracetamol (Panadol®, Dafalgan®, Dolprone®, Influbene® N, Kafa® usw.)

Acetylsalicylsäure ist ein nicht-steroidaler Entzündungshemmer aus der Gruppe der Salicylate mit schmerzlindernder, fiebersenkender, entzündungshemmender und thrombozytenaggregationshemmender Wirkung. Der Wirkstoff wird zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungszuständen verschiedener Ursache und in tiefer Dosierung zur Vorbeugung von Thrombosen verwendet.

Acetylsalicylsäure (Aspirin®)

Antipyretika sind fiebersenkende (antipyretische) Arzneimittel. Die meisten sind zusätzlich auch schmerzlindernd und entzündungshemmend (ausser Paracetamol). Ibuprofen und Acetylsalicylsäure sind zusätzlich entzündungshemmend.

Fieberthermometer: Gerade in Ländern mit Malaria-Gefahr ist es notwendig, die Körpertemperatur genau zu erfassen. Digital- Thermometer haben sich dabei als sehr zuverlässig erwiesen. An Ersatzbatterie denken.

Medikamente gegen Durchfall: Die wichtigste Grundregel gegen Durchfall vorzubeugen, ist die Nahrungsmittelhygiene. Siehe auch Trinkwasseraufbereitung. Bei Durchfall ist die wichtigste Maßnahme, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und dem Körper die verlorenen Salze in Form von Elektrolyt-Pulver wieder zuzuführen. Man unterscheidet zwischen akut Medikamenten und solchen, die langfristig helfen.

Loperamid (Imodium®, Generika)
Chinolone (Antibiotika gegen pathogene Mikroorganismen)
Norfloxacin (Noroxin®)
Ofloxacin (Floxal®)
Ciprofloxacin (Ciproxin®)
Levofloxacin (Tavanic®)
Moxifloxacin (Avalox®, Vigamox®)
Elektrolytersatzlösungen (Elektrolyte und Glucose): Oralpädon®, Elotrans®, Normolytoral®

Medikamente gegen Verstopfung: Verstopfung ist eine Reisekrankheit, welche nicht allzu häufig in Afrika auftritt. Im Falle von Verstopfung hilft in aller Regel, viel trinken, getrocknetes Obst und ballaststoffreiche Nahrung helfen meist schon und wirken wahre Wunder. Abführmittel (Laxantien) sind Arzneimittel zur Förderung der Darmentleerung. Ein breites Spektrum von Substanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften und unterschiedlicher Verträglichkeit wird verwendet.

Isoosmotische Laxantien (Macrogol 4000)
Natriumcitrat, Natriumlaurylsulfoazetat (Mikroclist® – Klistier)

Medikamente gegen Allergien: Allergische Reaktionen können von einer Vielzahl von Stoffen hervorgerufen werden. Dabei unterscheidet man Medikamente zum Einnehmen und solche zum Einreiben. Diese Salben helfen meist auch sehr gut gegen juckende Insektenstiche. Eine ausführliche Beratung des Hausarztes sollte klären, welche Medikamente benötigt werden.

Cetirizin Filmtabletten
Lorano Tabletten
Fenistil Dragees / Salbe

Medikamente gegen Malaria: Auf Fernreisen ist es nicht sinnvoll Malariatabletten als Prophylaxe einzunehmen. Die Medikamente sollten nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sie die Leber schädigen können. Außerdem gibt es in verschiedenen Gebieten Afrikas unterschiedliche Resistenzen. Meisten reicht es aus ,ein Medikament für den Notfall dabeizuhaben. Siehe Malaria

Pyrimethamin (Daraprim®, Fansidar®)
Proguanil (Malarone® + Atovaquon)
Chloroquine (Chlorochin®, Nivaquin®) Vor Ort erhältlich, viele Resistenzen
Hydroxychloroquin (Plaquenil®)
Artemether (Riamet® und Lumefantrin, Coartem®)
Doxycylin (Antibiotika, 1 Tablette proTag)

In Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz sollte Chloroquin (Chlorochin®, Nivaquin®) benutz werden.
In Gebieten mit Chloroquin-Resistenz sollte Mefloquin (Lariam®), Doxycyclin (Vibramycin®) oder Atovaquon + Proguanil (Malarone®) genutzt werden.
In Gebieten mit Mefloquin-Resistenz sollten Doxycyclin (Vibramycin®) oder Atovaquon + Proguanil (Malarone®) genutzt werden.

Malaria Schnelltest: (Binax Now®)Einzige von der FDA (Food and Drug Administration) lizenzierte Malaria-Schnelltest für die qualitative Erkennung von Plasmodium falciparum und Pan-Malaria- Antigenen. Kann auch über 20C gelagert werden.

Entzündungshemmende Medikamente: Zur Behandlung von Prellungen und Zerrungen, sind diese Medikamente in erster Linie bei Erste-Hilfe-Maßnahmen wichtig. Diese Medikamente gibt es sowohl als Tabletten/ Tropfen als auch als Salben.

Methylprednisolon (Medrol®)
Prednison (Prednison Galepharm®, Prednison Streuli®)
Hydrocortison (Sanadermil®, Dermacalm®)
Rimexolon (Vexol®)
Deflazacort (Calcort®)

Medikamente gegen Augenbeschwerden: Staub, Wind und Licht verursacht sehr oft Bindehautentzündungen auf Reisen in Afrika. Eine Sonnenbrille hilft nicht immer, deswegen ist das Mitführen von geeigneten Augentropfen und Augensalben sehr sinnvoll.

Siehe Entzündungen:
Okuläre Antibiotika sind Antibiotika zur Anwendung am Auge in Form von Augentropfen oder Augensalben. Sie werden bei infektiösen Erkrankungen des Auges angewendet, oftmals bei einer bakteriellen Bindehautentzündung und zur Vorbeugung von Infektionen.

Insektenabweisende Mittel: Am allerbesten sind Präparate mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET). DEET ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Repellentien mit insektenabweisenden Eigenschaften gegen Mücken, Fliegen, Flöhe und Zecken. Es ist klinisch unbedenklichund zählt zu den zuverlässigen, tropentauglichen Insektenschutzmitteln. Zu den seltenen unerwünschten Wirkungen gehören lokale Hautreaktionen. Dabei sollte die DEET-Menge min. 30% betragen. Diethyltoluamid ist zwar nicht das gesündeste, aber allemal besser als Malaria oder Dengue-Fieber. Mittel auf der Basis ätherischer Öle wie Teebaumöl, Zitronenöl oder ähnlichem, sind nicht zu empfehlen.

DEET: Diethyltoluamid (ExoPic 12 ® forte, Anti-Brumm® forte)
Icaridin (Bayrepel, Autan®)
EBAAP: Ethyl-butylacetylaminopropionat (ExoPic Kids®, Anti-Brumm® sensitive)
DMP: Dimethylphthalat (In Kombination mit DEET, z.B. Kik active® oder Anti Insect®
2-Ethylhexan-1,3-diol bzw. Rutgers 612 (Cl’Air® antiMilben oder antiZecken)

Bei Permethrin handelt es sich um die synthetische Variante des natürlich vorkommenden Insektizides Pyrethrum. Es ist kein eigentliches Repellent, sondern ein Kontaktgift, das Mücken, Fliegen, Flöhe und Zecken bei Kontakt mit dem Wirkstoff vertreibt.

Mückenschutz gegen Malaria für Kleidung, Moskitonetze
Mückenschutz für Kleidungsstücke  (0,8% Bifenthrin und 13 % Icaridin)
Mückenschutz für Moskitonetze oder Textilien (8% – 13% Permethrin)

Spritzen und Infusionen: In vielen Gebieten Afrikas, welche zumeist an einer medizinischen Unterversorgung leiden, ist es sinnvoll, Spritzen und Kanülen verschiedener Größe, sowie ein Infusionsbesteck mitzuführen.

Einmal-Spritzen (verschiedene Größen)
Nadeln (Kanülen)
Infusionsbesteck

Andere medizinische Geräte:

Giftsauger
Schlangenbiss Set
Schienen für Brüche

Nicht zu vergessen sind die individuell notwendigen Medikamente.
Meist gelingt es, über den Hausarzt an verschreibungspflichtige Medikamente wie Antibiotika und andere Medikamente zu kommen, welche in der Apotheke nicht frei verkäuflich sind.

Diese Anweisung ist eine persönlich zusammengestellte Liste. Sie ersetzt auf keinen Fall die kompetente Beratung des Haus- oder Tropenarztes und darf nicht als Ersatz für die behördlich genehmigten Arzneimittel-Fachinformationen und Patienteninformationen verwendet werden.

www.frm-web.de (Liste reisemedizinisch fortgebildeter Ärzte)
www.dtg.org (Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin)

Reiseapotheke 8 Nutzer 4.88/5

2 Kommentare

  1. FACHINFORMATION zu Malarone:

    Die Prophylaxe soll 24 oder 48 Stunden vor der Einreise in ein Malaria-Endemiegebiet beginnen und während der Dauer des Aufenthaltes, der 28 Tage nicht überschreiten soll, fortgesetzt werden. 7 Tage nach Verlassen des Gebietes fortgesetzt werden.
    Bei Bewohnern von Endemiegebieten (semi- immune Personen) wurde die Sicherheit und Wirksamkeit der Anwendung von Malarone in Studien von bis zu 12-wöchiger Dauer belegt.

    Das ist leider für Lanzeitreisende nicht Ausreichen. Weitere Informationen zu Leberwerten stehen im Beipackzettel von Malarone.

  2. Ich finde die Seite ganz klasse und informativ. Nur die Malariaprophylaxe oder Standby-Behandlung von Malaria sollte auf jeden Fall mit einem Fachmann oder Fachfrau durchgesprochen werden, da die Erkrankung je nach Erregerart in den einzelnen Regionen Afrikas sehr unterschiedlich verläuft und das Risiko einer Malariainfektion sehr unterschiedlich ist.
    Auch die einzelnen Medikamente kann man nicht pauschal als leberschädigend bezeichnen. Malarone ist zum Beispiel inzwischen bei längerem Aufenthalt als Prophylaxe getestet worden und hat sich hier, wie auch bei Standby, als sicher und gut vertäglich erwiesen.
    Doxycyclin ist nur zur Prophylaxe geeignet, dafür aber in Deutschland nicht zugelassen, (off-label-use). Da es nicht absolut sicher schützt, sollte immer ein weiteres Mittel zur Behandlung einer Malaria mitgenommen werden. Zum Standby-Gebrauch ist Doxycyclin ungeeignet.
    MfG
    Maria Schulze Elfringhoff

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.