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Das Buch zur Reise

Nach fast einem Jahr sind wir wieder in Deutschland. All die Geschichten von unserer Reise. Von Abenteuern und Anderen Katastrophen. Von tollen Momenten, spannenden Landschaften und bezaubernden Menschen….

All das gibt es jetzt auf 330 Seite Papier in Hardcover Ausgabe. Das Fotobuch  zur Reise mit vielen Fotos und allen Reiseberichten im Standard-Querformat auf 330 Seiten.

Daneben gibt es auch eine Sammlung aller Reiseberichte als Taschenbuch auf 98 Seiten.

Wer durch die Bücher online Blättern, oder sie bestellen möchte hat hier die Möglichkeit dies zu tun…

 

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Sonne, Strand und „mehr“

Mozambique, ein beliebtes Reiseziel mit kilometerlangen schneeweißen Sandstränden und türkisfarbenem Wasser. Im Gegensatz dazu eine arme Bevölkerung, die mit hohen Preisen zu kämpfen hat.

Der Grenzübergang von Zimbabwe nach Mozambique war mal wieder zügig und problemlos, jedoch mussten wir stolze 80 USD pro Person für das Visum bezahlen. Von Mutare fuhren wir ohne Zwischenstopp durch bis nach Inhassaro ans Meer. Zum einen wollten wir uns von den herbstlichen Temperaturen in Zimbabwe wieder aufwärmen und zum anderen haben wir von anderen Reisenden gehört, dass der dazwischen gelegenen Gorongoza  Park aufgrund von Wilderei nicht viele Tiere zu bieten hat. Wilderei scheint nicht nur in Zimbabwe ein großes Problem zu sein, sondern auch Mozambique leidet sehr stark darunter. Zum Teil kann man es der armen Bevölkerung nicht verübeln, allerdings wird nicht wegen Hunger sondern überwiegend aus Profitgier gejagt. Der Schaden, der damit angerichtet wird, ist über Jahrzehnte oder niemals mehr gutzumachen.

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Nach Inhassaro muss man nicht reisen. Uns hat weder der Ort noch der Strand gefallen. Deshalb ging es gleich am nächsten Tag weiter nach Pomene und dort fanden wir ein kleines Paradies vor. Alleine die Anfahrt durch das Pomene National Reserve war herrlich. Allerdings kann die herausfordernde Tiefsandstrecke ohne Allrad nicht bewältigt werden. Das letzte Stück bis zur Campsite ging an einem kilometerlangen abgeschiedenen Strand entlang. Unsere Campsite Pomene (GPS Koordinaten S22.92276 E35.58506) war einsam am Ende einer Landzunge gelegen und da keine Hauptreisezeit war, waren wir fast alleine. Wie überall an den Sandstränden von Mozambique kamen jeden Morgen einheimische Frauen bei uns vorbei und verkauften Brot, Obst und Gemüse und abends wurde uns frisch gefischter Fisch gereicht, den wir sofort auf den Grill legen konnten. Im Nachhinein gesehen, hätten wir uns die restlichen Strände sparen können, da uns Pomene mit Abstand am besten gefallen hat. Auch wenn es noch so schön war, juckte uns die Abenteuerlust wieder nach fünf Tagen und wir fuhren weiter. Vor unserer Abfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp an einer Hotelruine mit einer grandiosen Lage am anderen Ende der Bucht. Das Hotel wurde 1975 geschlossen und steht, was für uns vollkommen unverständlich war, trotz besten Voraussetzungen immer noch zum Verkauf.  (Siehe Fotos.)

Auf Empfehlung fuhren wir für einen Tag nach Morrungulo, jedoch, wie schon erwähnt, konnte der Strand und die Campsite (GPS Koordinaten S23 13.941 E35 29.506) lange nicht mit Pomene mithalten. Und so fuhren wir weiter nach Tofu und Barra. Wir hatten wieder eine wilde Tiefsandstrecke ausgesucht, die an einsamen Dörfern vorbeiführte. Jedoch schien die Strecke zur Hauptreisezeit von sehr vielen Touristen befahren zu sein, denn es erinnerte uns ein bisschen an Äthiopien. Die Kinder standen bettelnd am Straßenrand und es flog sogar wieder ein Stein (wir nahmen mal an, dass das unbeabsichtigt war).  Als unser Auto sich durch den Tiefsand kämpfte, versuchten die Kinder sich an unser Auto zu hängen, um ein Stück mitgezogen zu werden. Das gefährliche Intermezzo schien für die Kinder eine kleine Mutprobe zu sein, jedoch war das für uns weniger ein Spaß. Tofu ist bekannt für sein türkisfarbenes Wasser und die hervorragenden Tauch- bzw. Schnorchel-Möglichkeiten. Für uns war der Ort viel zu touristisch und wir konnten keine schön gelegene Campsite finden. Deshalb sind wir nach langem Suchen nach Barra weitergefahren zu der Bayview Lodge  (GPS Koordinaten S23 47.092 E35 29.915).

Weiter ging es nach Bilene um Anton, den Bruder von einer Freundin von Viktoria, zu besuchen. Anton hat mit seiner Frau Lee vor zehn Jahren die Bilene Lodge (GPS Koordinaten S25 15.258 E33 20.578) an einer Lagune aufgebaut. Wir blieben dort drei Tage und erkundeten die Gegend zu Fuß und mit dem Kajak. Da wir nach zwei Wochen genug Strand gesehen hatten, sind wir nicht mehr weiter südlich gefahren. Von Anton und Lee haben wir den super Tipp bekommen, über den Länderverbindungspark Limpopo/Krüger National Park von Mozambique nach Südafrika einzureisen und das hat wunderbar geklappt. Im Limpopo Park konnten wir nur Kühe entdecken und  wunderten uns, warum dieser Nationalpark genannt wird, denn für Kühe ist eigentlich kein Platz im Park. Wir konnten nur vermuteten, dass die Impalas, die normalerweise immer zu sehen sind, bereits von der hungernden Bevölkerung aufgegessen wurden. Wir übernachteten noch einmal auf einer Campsite im Limpopo Park  mit schönem Blick auf einen See, da wir zu spät am Limpoto Entrance Gate ankamen. Campismo Aguia Pesqueira  GPS Koordinaten S23 51.544 E32 00.532). Ein Grenzübergang ist nur möglich, wenn man vor 12:00 Uhr mittags dort ankommt.

Überall in Mozambique stellten wir fest, dass die Menschen nicht so herzlich und aufgeschlossen uns gegenüber waren wie in anderen afrikanischen Ländern. Es dauerte immer ein bisschen, bis wir ein Lächeln aus den Menschen herauslocken konnten. Jedoch waren die Einheimischen sehr diskret und überhaupt nicht aufdringlich. Wir nahmen an, dass dies entweder noch auf die Nachwehen des Bürgerkrieges zurückzuführen ist oder auf die Massen an Touristen, die zum Teil nicht gerade freundlich mit den Einheimischen umgehen. Unfassbar waren für uns die unglaublich hohen Preise für Lebensmittel auf den Straßen und Supermärkten sowie den Campsites. Es ist uns immer noch ein Rätsel, wie die Einheimischen die Lebensmittel bezahlen können. Von vielen anderen Reisenden haben wir gehört, dass sie in Mozambique beklaut oder ausgeraubt wurden. Wir hatten vielleicht Glück, jedoch waren wir übervorsichtig und ließen unser Auto keinen Moment ungeschützt aus den Augen. Die zwei Wochen Mozambique haben wir sehr genossen, jedoch gab es außer Strand nicht viel mehr zu erleben.

Unsere Highlights:

  • Der grandiose Strand von Pomene
  • Das türkisfarbene Wasser von Tofu mit dem Tauch- und Schnorchelparadies
  • Die schöne Natur von Bilene…..
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Regenzeit

Sambia, ein riesiges Land mit herzlichen Menschen. Ein Fleck unberührtes Afrika, das sich aufmacht, den Anschluss an den internationalen Markt zu finden. Ein Land, das zwischen Tradition und marktwirtschaftlichen Interessen hin- und hergerissen ist.

Schon beim Überqueren der Grenze fiel uns auf, wie freundlich auch hier die Menschen sind. Keine Schlepper, kein ewiges „Money Change“ Geschrei, nur effiziente Abwicklung. Nach dem Erstellen der Visa und Stempeln der Papiere, sowie dem Abschluss einer Carbon Emission Tax für das Fahrzeug ging es gleich weiter. Erst zum Geldautomaten und dann direkt zur nächsten Tankstelle. Wie viel entspannter das Leben doch auf einmal wird, wenn an jeder Tankstelle wieder Treibstoff zu bekommen ist.

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Von Chipata ging es nun in nord-westlicher Richtung zum South Luangwa Nationalpark. Im National Park gibt es keine Campsites, deshalb haben wir direkt am National Park im Croc Valley Camp (GPS Koordinaten S13 06.010 E31 47.644) am Rande des Luangwa Rivers übernachtet. Da der Park nicht eingezäunt ist, wurden wir schon bei der Ankunft gewarnt, keine Früchte wie Mangos, Orangen etc. offen im Fahrzeug liegen zu lassen. Es spazieren häufiger Elefanten durch die Campsite und schlagen alles kurz und klein, um an die Leckereien zu kommen. Gut, dass wir alles geruchsdicht verstaut hatten, denn prompt konnten wir kurz vor Sonnenuntergang einen Elefanten beobachten, wie er den Fluss schwimmend überquerte und auf unsere Campsite kam.

Am nächsten Morgen machten wir uns gleich auf den Weg zum National Park. Doch leider fing es schon bei den ersten hundert Metern an zu regnen. Auch während der Regenzeit soll der Park eine großartige Tierwelt bieten, doch wir stellten fest, dass sich bei strömendem Regen die meisten Tiere verstecken. Trotzdem wollten wir nicht aufgeben und fuhren weiter. Die Hauptstraße Richtung Norden war relativ gut zu befahren, da diese mit rotem Kiesel bedeckt war. Sämtliche Nebenstraßen waren jedoch unzugänglich, da diese aus dunkler Erde (black cotton soil)  bestanden, die sich schon bei ein paar Tropfen in eine rutschige Matschmasse verwandelte. Unglücklicherweise ist den Straßenarbeitern wohl plötzlich der rote Kiesel auch auf der Hauptstraße ausgegangen, denn ohne Vorwarnung verwandelte sich die gut zu befahrende Straße schlagartig in die gefürchtete schwarze Matschmasse. Es fühlte sich an wie Eisregen zu Hause. Wir schleuderten und landeten in einem überschwemmten Graben. Da standen wir nun wieder, bei strömendem Regen ganz alleine. Doch dieses Mal waren die Bedingungen etwas erschwerter als in Ruanda: keine ruandische Hilfsmannschaft und die Gefahr, dass plötzlich ein wildes Tier um die Ecke kam. Es ist ja eigentlich verboten, im Nationalpark auszusteigen, doch von alleine bewegte sich das Fahrzeug ja nun auch nicht und mit Hilfe war die nächsten Tage nicht zu rechnen. So krempelten wir wieder unsere Hosen hoch und fingen an unseren Toyota auszugraben. Trotzdem beißende Ameisen und ekelige Würmer unsere Beine hochkrabbelten, machten wir weiter. Und es hatte sich gelohnt, nach fast zwei Stunden harter Schaufelarbeit schafften wir es mit viel Gas geben, unseren Toyota wieder zu befreien. Erleichtert fuhren wir dann Richtung Süden, da wir immer noch nicht aufgeben wollten. Jedoch die Straßenverhältnisse waren katastrophal, Matschmasse wechselte sich ab mit Überschwemmungen. Wir sind nur mit viel Glück und Geschick durchgekommen, ohne noch einmal steckenzubleiben. Vereinzelt hatten wir dann doch noch das ein oder andere Tier gesehen.

Nach einem Tag Ruhepause und Wagenwäsche sind wir am nächsten Tag weitergefahren. Wir wollten eigentlich die Straße direkt am South Luangwa Park entlangfahren, jedoch wurden wir nach ca. 15 km von einem entgegenkommenden Engländer gestoppt. Er meinte die Strecke sei zwar wunderschön, jedoch nur im Juli und August während der Trockenzeit und idealerweise mit zwei Autos zu befahren. Ganz wenige Autos schaffen es, alleine durchzukommen, aber um diese Jahreszeit sei es aussichtlos, da viele Flüsse überschwemmt seien. Der Engländer lebt mitten im Wald am Rande des National Parks und gründete vor  einigen Jahren zusammen mit seiner Frau eine kleine NGO.  Bei seinem Projekt geht es um die Erhaltung von Natur und Tierwelt. Es wird im National Park viel gewildert und außerhalb des Parks großflächig Waldrodung betrieben. Die beiden schaffen Aufmerksamkeit unter der Bevölkerung und erziehen die Kinder bereits in der Schule. Das Projekt ist sehr nachhaltig und hat den World Prize for Sustainable Energy des European Parliament Science and Technology Options Assessment (STOA) Panel gewonnen. Mehr Informationen sind unter http://chipembele.org/ zu finden.

Da wir das Risiko nicht eingehen wollten bis Juli auf der Strecke festzustecken (auch wenn die Landschaft noch so schön war), drehten wir nach einer längeren Unterhaltung mit dem Engländer um und fuhren auf der gut zu befahrenden Hauptstraße nach Lusaka. Dort machten wir einige Besorgungen und stellen fest, dass wir weiter Richtung Südafrika kamen, denn das Angebot  an Waren war schon fast wie zu Hause, jedoch zu stolzen Preise. Wie sich die Einheimischen das Warensortiment leisten können, konnten wir bisher noch nicht rausfinden. Wir blieben noch eine Nacht im Pioneer Camp (GPS Koordinaten S15 23.732 E28 27.045) welches 15 km außerhalb von Lusaka liegt. Das Camp liegt idyllisch und ruhig mitten im Wald und es hat sich gelohnt aus der Stadt rauszufahren.

Unser nächstes Ziel war die Farm Moorings Campsite (GPS Koordinaten S16 11.624 E27 32.600), die günstig zwischen Lusaka und Livingstone bei den Victoriafällen liegt. Auf der Farm wird hauptsächlich Mais angebaut und es gibt Schweine und Kühe. Hier hatten wir die zwei Schweizer, Tatjana und Michael kennengelernt, die sich vor sechs Jahren in Richtung Afrika aufgemacht und seit drei Jahren auf der Farm niedergelassen haben. Die beiden hatten spannende und interessante Geschichten und Erfahrungen zu erzählen. Die Campsite ist ein Teil von der Farm und ist eigentlich sehr ruhig gelegen. Doch schon bei unserer Ankunft am Karfreitag hörten wir fröhlichen Gesang und Getrommel von allen Seiten. Die einheimischen Farmarbeiter mit Familien und Verwandten feierten und sangen fast unentwegt durch bis Ostermontag. Wir machten mehrere Spaziergänge auf der Farm und da wir neugierig waren, nahmen wir am Ostersonntag an einem lokalen traditionellen Gottesdienst teil. Auch dieser bestand hauptsächlich aus Gesang, den wir auf Video festgehalten haben. Die Einheimischen waren sehr begeistert uns zu sehen und integrierten uns sofort in ihre Gemeinschaft. Nur gut, dass wir nicht singen mussten.

Nach Ostern fuhren wir nach Livingstone zu den Victoriafällen. Da gerade Regenzeit war, war der  Sambesi Fluss zu einem unglaublich breiten reißenden Strom angewachsen. Es war sehr beeindruckend, am Rande des Wasserfalls zu stehen und die Wassermassen über eine Breite von 1708 Meter von einer 110 Meter abfallenden Felswand in die Tiefe stürzen zu sehen. Allerdings konnten wir nicht bis in die Tiefe blicken da ein etwa vierhundert Meter hoher Sprühnebel entstand, der noch aus großer Entfernung zu sehen war. Der Sprühnebel durchnässte uns in kürzester Zeit bis auf die Haut, was aber nicht weiter schlimm war bei den tropischen Temperaturen. Das war vielleicht ein Spaß am oberen Rande entlang zu spazieren. Eine verbindende Brücke von zwei Felsspalten bot den besten Blick auf die Fälle. Nachdem wir wieder getrocknet und umgezogen waren, machten wir uns gleich auf den Weg Richtung simbabwische Grenze, die gleich hinter den Fällen liegt. Die Victoria Fälle sind von  beiden Ländern aus zu besuchen. Da die ganze Gegend um die Victoria Falls in Sambia sehr touristisch sind, wollten wir nicht länger als eine Nacht auf der Campsite bleiben. Außerdem waren wir von den unaufhörlich umherkreisenden Hubschraubern, die den Touristen für 15 Minuten einen Blick von oben boten sehr genervt.

Uns hat Sambia trotz Regenzeit sehr gut gefallen. Das Land hätte alles, um mit dem internationalen Markt gut mithalten zu können. Es bietet Bodenschätze, viele Nationalparks mit einer artenreichen Tierwelt, wunderschöne Landschaften und freundliche Menschen. Und gleichwohl hat man in Sambia noch das Gefühl ein Stück unberührtes Afrika vorzufinden. Als Reiseland können wir Sambia sehr empfehlen.

Unsere Highlights:

  • Der South Luangwa Nationalpark
  • Das Osterfest auf der Farm Moorings
  • Die atemberaubenden Victoriafälle
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Land der tausend Hügel

Ein Hallo aus dem saubersten Land Afrikas, das auch Land der tausend Hügel genannt wird. Abgesehen von dem bekannten Film „Hotel Ruanda“, wissen die meisten Menschen nur sehr wenig über Ruanda. Und dabei ist Ruanda ein durchaus sehenswertes und wunderbares Land. Der Grenzübertritt von Uganda nach Ruanda bei Katuna war wieder einmal unkompliziert und schnell. Da in Uganda Linksverkehr, in Ruanda aber Rechtsverkehr herrscht, gab es im Grenzstreifen zwischen den beiden Ländern eine babylonische Verwirrung. Auf ruandischer Seite wurden die Pässe und das Carnet de Passage gestempelt (alles kostenfrei für deutsche Staatsbürger) und schon konnten wir weiterfahren. Keine Schlepper, keine Wartezeiten, nur freundliche und hilfsbereite Menschen.  Die knapp einhundert Kilometer bis Kigali gingen auf gut ausgebauten Straßen sehr zügig voran.

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Nach den ersten paar Kilometern in Ruanda fiel uns zuerst auf, dass der Straßenverkehr fast verebbte. Man sah auch plötzlich ausgesprochen wenige weiße Gesichter. Dies bestätigten uns ebenfalls die strahlenden „Hey Mazungu“ Zurufe der Kinder am Straßenrand, für die zwei weiße Gesichter im Auto kein alltäglicher Anblick sein musste. Die Straßen in Ruanda sind teilweise besser als in Deutschland und das ganze Land glänzt vor Sauberkeit – da kann noch nicht einmal die Schweiz mithalten. Das mag daran liegen,  dass es verboten ist, Plastiktüten in das Land einzuführen, zu verkaufen oder zu benutzen. Des Weiteren gibt es empfindlich hohe Strafen für achtloses Wegwerfen von Müll. An Samstagen sind die eh nicht sehr stark befahrenen Straßen komplett leer, da alle Bürger „Community Work“ beitreiben müssen. Das heißt alle, sogar der Präsident, müssen Straßen und Umfeld reinigen, reparieren oder Ordnung schaffen.

Mittags waren wir schon in Kigali, der Hauptstadt, oder besser gesagt, dem Hauptdorf von Ruanda. Wie alles in diesem Land, liegt auch diese Stadt auf tausend Hügeln. Klein, überschaubar sowie unglaublich sauber und organisiert. Alle Ampeln funktionieren, alle halten sich an die Straßenregeln und alle Motorradfahrer tragen Helm (das ist sehr ungewöhnlich für Afrika).
Wir haben im „One Love Club and Camping“ (GPS Koordinaten S1 56.904 E30 04.501) übernachtet. Laut unseren Informationen, die einzige Campsite in Kigali. Doch leider ist diese nicht für Overlander geeignet, da die Campsite nicht mit dem Fahrzeug zu erreichen ist. Deshalb mussten wir die Nacht auf dem Parkplatz vor der Campsite verbringen, was nicht sehr angenehm war. Dafür gab es nach drei Wochen mal wieder Internet und wir konnten uns im Schnellspurt updaten.

Um die Permit für das Gorilla-Tracking zu bekommen (zu schmerzhaften Preisen von 500 US Dollar pro Person – und ab Juni 2012 sogar 750 US Dollar!), haben wir das ORTPN Office (Gorilla Track Pass) in Kigali aufgesucht. Das ORTPN Office war umgezogen und nicht mehr unter folgenden Koordinaten zu finden (S1 30.089 E29 37.987). Die neue Adresse, die noch nicht auf der Homepage steht, ist: ORTPN Office im Gebäude des Rwanda Development Board (RDB) Kigali, Rwanda (GPS Koordinaten S1 57.148 E30 06.175). Dort bekamen wir leider nur ein Permit für den 22. Februar, da für die nächsten Wochen alles ausgebucht war. Wir dachten uns, das zweite Permit bestimmt vor Ort zu bekommen – dem war dann auch so.

Sobald wir das Permit in der Tasche hatten, fuhren wir Richtung Westen zum Lake Kivu. Belohnt wurden wir, nach der ganzen Sucherei in Kigali, mit einer landschaftlich wunderschönen Strecke auf allerbesten Straßen. Wir haben beim Hotel Holiday (GPS Koordinaten S2 03.260 E29 20.835) in Kibuye einen brillanten Platz direkt am See bekommen. Zwar ist es nicht wirklich billig (wie alles in Ruanda), aber die schöne Atmosphäre, die sauberen Duschen und der Platz ganz alleine unten im Hotelgarten am See, haben den Preis gerechtfertigt. Leider überraschte uns hier der erste Regen seit Italien. Nach zwei Nächten ging es bei strömendem Regen Richtung Gisenyi, das ganz im Norden des Kivu Sees direkt an der Grenze zur demokratischen Republik Kongo liegt. Immer entlang des Sees auf einer abenteuerlichen Off-Road Strecke ging es durch wolkenverhangene Berge, über Flussläufe und durch tiefe Täler. Wir haben die knapp einhundert Kilometer in ganzen vier Stunden geschafft und südlich von Gisenyi im Paradise Malahide Cottages and Campsite (GPS Koordinaten S1 44.028 E29 16.391) einen netten Platz für die Nacht gefunden. Camping war hier leider wieder nur auf dem Parkplatz vor der Lodge möglich, jedoch war dieser etwas netter gelegen. Das Hotel lag direkt am See und bot abends eine nette Atmosphäre mit Lagerfeuer beim Abendessen. Von Ginseny ging es am nächsten Tag über Ruhengeri und Kinigi zum Volcanoes National Park. Dort fanden wir einen Standplatz beim Kinigi Guest House (GPS Koordinaten S1 25.956 E29 35.906) nur 300 Meter vom Volcanoes Park Headquarters (GPS Koordinaten S1 25.941 E29 35.687). Beim Volcanoes Park Headquarter gehen jeden Morgen die Touren zum Gorilla Tracking los.
Da wir in Kigali nur ein Ticket für das Gorilla Tracking bekommen konnten, sind wir an zwei aufeinanderfolgenden Tagen losgezogen – und wir hatten Glück ein zweites Ticket wurde frei. Die Bergtour an sich war bereits atemberaubend. Aber Angesicht zu Angesicht mit einem Silverback (Gorilla-Familienoberhaupt) zu stehen und inmitten der spielenden Berggorilla-Familie zu verweilen ist ein unvergessliches Erlebnis.

Am kommenden Tag haben wir uns wieder auf den Weg von  Kinigi nach Kigali gemacht. Da die Entfernung sehr nah gewesen wäre beschlossen wir, einen kleinen Umweg über die nördlichen Seen Bulera und Ruhondo und weiter nach Bururea zu machen. Anfangs sah alles genial aus: eine traumhafte Strecke, die relativ gut zu befahren war. Jedoch wurden die Straßen immer enger bis diese letztendlich in einspurige Wege mündeten. Inmitten einer wunderschönen Landschaft, zwischen Bananenstauden und grandiosen Bergen und Tälern, begann es dann auch noch zu regnen. In Strömen kam das Nass von oben und verwandelte die schmalen Erdwege zu reinsten Rutschbahnen. In diesem Moment zahlten sich unsere MT-Reifen von BF Goodrich voll aus. Wir konnten es fast nicht glauben, aber unser GPS bestätigte immer noch  den richtigen Weg. Weiter ging es über immer enger werdende Brücken, die meist nur aus ein paar Baumstämmen bestanden. Leider verpassten wir irgendwann unwissentlich eine Abzweigung und standen auf einmal vor einer nicht sehr vertrauensvoll aussehenden Brücke, die der Belastung unseres Autos niemals standgehalten hätte. Kurzerhand beschlossen wir mutig direkt durch den kleinen Bach zu fahren. Leider kamen wir nicht weit – unser Toyota steckte plötzlich einen guten Meter tief im Schlamm fest. Nichts ging mehr, keinen Millimeter, weder vor noch zurück. Und da standen wir nun mitten im Bach, keine Menschenseele weit und breit, nur von Natur umgeben. Aber wie das in Afrika immer so ist, man steht nicht lange alleine. Aus dem Nirgendwo erschienen plötzlich Menschen – einer nach dem anderen. In unserem Fall waren es zuerst etwa 50 Personen, die sofort mit anpackten und zu graben begannen, sowie Steine anschleppten. Doch leider steckte der Toyota wirklich unglücklich fest, da sich nach drei Stunden intensivem Ausbuddeln und Hochliften immer noch kein Erfolg einstellte. Wir sahen nur noch eine Lösung – wir benötigen ein anderes Fahrzeug, das uns aus dem Schlamm ziehen konnte. Da der nächste Ort mit motorisierten Fahrzeugen ca. 15 km entfernt war, zog Viktoria auf dem Rücksitz eines Fahrrads los um Hilfe zu holen. Über Berg und Tal erreichte sie den Ort erst gegen 16:30 h und musste wegen der bald einbrechenden Dunkelheit schnell reagieren. Jedoch nichts geht schnell in Afrika. Keiner wollte die unwegsame Strecke fahren. Eine hinzugekommene Nonne hatte die Idee zu den chinesischen Straßenarbeitern zu fahren, da diese die nötigen Fahrzeuge bzw. Geräte hatten. Die Chinesen lächelten auch ganz nett und versprachen sogleich ein Fahrzeug mit einer Seilwinde zu organisieren. Jedoch über eine Stunde verging, es wurde immer später und später und es bewegte sich gar nichts. Als es bereits stockdunkel war, fand Viktoria doch noch einen Ruander, der bereit war zu helfen und die unwegsame Strecke zu fahren um den Toyota aus dem Schlamm zu ziehen.

Währenddessen hatte Julian mit den freiwilligen Helfern weitergebuddelt. Wie sich nach und nach herausstellte saß der Toyota vor allem in der Mitte auf, deshalb drehten die Räder durch aufgrund des fehlenden Gewichtes. Nach über drei Stunden Graben und Steine unterlegen, war die „Hilfsmanschaft“ nach und nach auf etwa 200 Menschen angewachsen. Mit High-Lift, Seilen und Schaufeln wurde die weiteren zwei Stunden im Flussbett geschuftet. Und dann war es nach fünf Stunden intensivem Vorbereiten endlich soweit – einmal kräftig Gas gegeben und der Toyota war wieder frei.  Es begann schon zu dämmern, deshalb ging es so schnell es die Wege zuließen Viktoria hinterher. Aber schon nach einigen hundert Metern war wieder Schluss. Der Weg wurde so eng, dass der Landcruiser nicht durchkam. Links ging es steil den Berg hinauf und rechts war eine senkrechte Böschung von über 1,5 Metern, bei der der Landcruiser drohte komplett hinunterzurutschen.
Als Europäer würde man umdrehen und etwas Anderes versuchen, nicht so bei unserer ruandischer „Hilfsmannschaft“. Ohne lange zu fackeln begannen die Einheimischen Eukalyptusbäume zu fällen und eine provisorische Brücke zu bauen. Kaum zu glauben, dass bereits nach einer halben Stunde die Konstruktion fertig war. Und noch weniger nachzuvollziehen, dass diese beim Darüberfahren hielt. Danach ging es runter über die Böschung, durch ein Maisfeld, über einen kleinen Bach und wieder steil den Berg hinauf auf die andere Seite des Tals. Mit Vierradantrieb und Diff-Lock ging es wie Butter querfeldein und weiter nach Bururea, wo in der Dunkelheit Viktoria wieder an Board genommen wurde. Sie hatte den Landcruiser zufällig jedoch sehr erleichtert stehen sehen, da sie ja eigentlich auf dem Weg zur Rettung war.

Nach dem Schrecken ging es trotzdem an demselben Abend weiter nach Kigali, obwohl wir es uns aus Sicherheitsgründen zum Grundsatz gemacht haben, in Afrika nachts nicht zu fahren. Allerdings in Ruanda machten wir eine Ausnahme, da das Land sehr sicher ist und die Straßen zur Hauptstadt gut ausgebaut sind. Sehr erleichtert und komplett erledigt kamen wir gegen 21:00 Uhr im Discover Rwanda Youth Hostel (GPS Koordinaten: S 1° 57.044 | E 30° 05.592) an. Mittlerweile hatten wir herausgefunden, dass es doch noch eine zweite Campsite gibt in Kigali. Am nächsten Morgen befreiten wir zuerst unseren Toyota von den Schlammresten. Diese klebten überall in dicken Schichten – nicht nur außen sondern auch innen. Nachmittags besuchten wir das Genozide Memorial Center. Es waren grausame Bilder und Berichte und obwohl wir die Geschichte von Ruanda kannten, hat uns der Besuch sehr bedrückt. Da wir die Menschen jetzt kennengelernt haben ist es umso unfassbarer für uns, dass so ein Gemetzel in einem Land möglich ist. Wir verstanden aber nun besser, warum die Menschen jetzt so sehr zusammenhalten und alles verhindern damit solche Gräueltaten in Ruanda nie wieder passieren können.

Am nächsten Morgen ging es zur Grenze von Tansania, die wir wieder sehr unkompliziert passierten.

Uns hat Ruanda als Reiseland sehr gut gefallen. Die sattgrüne, blühende Natur inmitten von 1000 Hügeln ist eine reine Augenweide. Die Menschen arbeiten wirklich hart, wirkten auf uns jedoch sehr zufrieden und fröhlich. Uns gegenüber waren sie sehr freundlich, respektvoll und vor allem sehr hilfsbereit. Wir haben uns überall sicher gefühlt, deshalb können wir Ruanda als Reiseland wirklich nur empfehlen.

Unsere Highlights:

  • Der schöne Lake Kivu bei den Ortschaften Kibuye und Gisenyi
  • Ganz nah zu sein bei den Berggorillas
  • Die schöne Bergtour im Park des Volcanoes
  • Die beeindruckende Sauberkeit des Landes
  • Die wunderschöne sattgrüne blühende Natur
  • Die fröhlichen, sehr freundlichen und ausgesprochen hilfsbereiten Menschen
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Soziale Sicherung Afrika

Der Impuls für soziale Sicherung im subsaharischen Afrika hat sich verstärkt. Es gibt ein starkes Engagement und Erfolge auf
gesamtafrikanischer, subregionaler und nationaler Ebene.
Nach der Lebensmittel-, Öl- und Finanzkrise zeichnet sich ein globaler Konsens darüber ab, dass soziale Sicherung ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklungpolitik sein muss und eine unerlässliche Voraussetzung für ein stabiles Wachstum, insbesondere der armen Bevölkerungsschichten, und zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele darstellt. Soziale Sicherung kann einen direkten Beitrag zum Wachstum leisten und den Nutzen anderer sozialer Investitionen verstärken. Die positiven Effekte des Wachstums können über die soziale Sicherung direkt an besonders gefährdete und ausgeschlossene Gruppen weitergegeben und der Vertrag zwischen Staat und Bürgern kann auf eine solidere Grundlage gestellt werden. Durch direkte und indirekte Leistungen kann soziale Sicherung oft einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut bieten.

[box type=“info“] Die Lebensmittel- und Ölkrise traf das subsaharische Afrika besonders hart. Im Jahr 2007 stiegen die Rohstoffpreise rasant und die Lebensmittelpreise stiegen ab Ende 2006 um mehr als 45 %. Für viele Produkte, unter anderem für Rohöl, Zinn, Nickel, Sojabohnen, Mais und Weizen, stieg der Dollarpreis auf einen Höchststand. Der Anstieg erfolgte zunächst bei einigen der wichtigsten Futterpfl anzen (Mais, Weizen und Speiseöl), weitete sich dann jedoch auch auf andere Lebensmittel aus. Da der Anstieg der Lebensmittelpreise auf den einheimischen Märkten in den meisten Ländern weitergegeben wurde, waren die sozialen Folgen für die arme Stadtbevölkerung beträchtlich. In einigen Ländern führte die Lebensmittel- und Ölkrise zu sozialen Spannungen und in Burkina Faso, Kamerun, Niger und Mosambik sogar zu Unruhen.[/box]

Soziale Sicherung ist kein Luxusgut, sondern im subsaharischen Afrika (SSA) notwendig und durchführbar. Verschiedene Programme sind in der Region bereits umgesetzt worden. Die dadurch verbesserten Entwicklungaussichten zeigen, dass soziale Sicherung ein gangbarer Weg ist. Infolge der rasch aufeinander folgenden Lebensmittel-, Öl- und Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 ist soziale Sicherung mehr denn je notwendig, um die Folgen von Schocks abzufedern und die anhaltende Armut und Gefährdung in Afrika zu überwinden. Im Zuge der Ausweitung der sozialen Sicherung in den jüngsten Krisenzeiten ist die Unterstützung für einen systematischen Aufbau solcher Programme im subsaharischen Afrika und auf internationaler Ebene gestiegen. Dies ist der richtige Zeitpunkt, um in einem europäischen Entwicklungsbericht Argumente für soziale Sicherung in Afrika anzuführen und anhand der vorliegenden Erkenntnisse die bedeutende Rolle des eigenen Engagements vor Ort sowie die Möglichkeiten der Unterstützung durch internationale Partner, insbesondere der Europäischen Union (EU), aufzuzeigen.

Der verlorener Subkontinent

Das subsaharische Afrika wurde oft als verlorener Subkontinent betrachtet, „wo anscheinend nur Armut und Konflikte gedeihen“. In den verlorenen Jahrzehnten (1980er und 1990er Jahre), fiel das SSA hinter dem Fortschritt anderer Entwicklungsländer, insbesondere in Asien und Lateinamerika, zurück.
Die Lage hat sich jedoch seit Beginn dieses Jahrtausends zum Besseren gewendet. Mehrere SSA-Länder haben entgegen den Klischeevorstellungen bedeutende (weitere) Schritte auf dem Weg zu den Millennium-Entwicklungszielen (MDG) unternommen und ein stabiles wirtschaftliches Wachstum erreicht, das durch zahlreiche Erfolgsgeschichten belegt wird. Das SSA ist jedoch keine einheitliche Region, sondern zeichnet sich durch eine starke Vielfalt und oft sehr unterschiedliche Entwicklungswege der einzelnen Länder aus.4 Es lässt sich auch nicht leugnen, dass die Lage in einigen Ländern schlechter bestellt ist als in anderen und teilweise auch Rückschläge zu verzeichnen sind. Durch dieses düstere Gesamtbild des SSA sind jedoch die wesentlichen Erfolge der
„aufstrebenden“ SSA-Länder oft überschattet worden.

Der Fortschritt in der Regierungsführung

In erster Linie ist festzustellen, dass viele SSA-Länder spürbare Fortschritte in der Regierungsführung erreicht haben – ein wesentlicher Punkt auf der heutigen Entwicklungsagenda. Das afrikanische Engagement zur Verbesserung der Regierungsführung kommt vielleicht am besten in der Einrichtung des Afrikanischen Peer-Review-Mechanismus (APRM) von 2002 im Rahmen der Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD) zum Ausdruck.

Bis Ende 2009 unterzeichneten 30 der 53 Staaten der Afrikanischen Union (AU)7 diese innovative afrikanische Initiative, die als wichtigster Mechanismus zur Selbstkontrolle der Regierungsführung fungiert. Trotz bestehender Herausforderungen hat sich der APRM bislang bei der Entwicklung der Regierungsführung und eines gemeinsamen Dialogs über kontroverse Themen durch „umfassende und offene Analysen über die wichtigsten Probleme der Regierungsführung“ bewährt.
Bei einer jüngsten Analyse des APRM-Prozesses in neun Ländern der AU durch das Afrikanische Projekt zur Kontrolle und Förderung der Regierungsführung wurde festgestellt, „dass das Urteil über den APRM-Prozess unterschiedlich ausfällt“, er jedoch zumindest eine nationale Debatte ermöglicht habe. Eine Studie der Partnerschaft Afrika-Kanada über den APRM in sieben SSA-Ländern geht sogar noch weiter und kommt zu dem Schluss, dass „sich Veränderungen in der Art und Weise vollziehen, wie Regierungen und Länder geführt werden“. Andere AU-Initiativen wie die Afrikanische Charta für Demokratie, Wahlen und Regierungsführung von 2007, lassen darauf schließen, dass die Regierungsführung in breiten Teilen des Kontinents Priorität erlangt hat.

Die Gründe für die moderaten Auswirkungen der Finanzkrise

[tabs slidertype=“simple“ auto=“yes“ fx=“slide“ autospeed=“16000″]
[tab] Im Gegensatz zu früheren Krisen entstand die gegenwärtige Finanzkrise vollständig in den Industrieländern, während die Übertragungswege zum SSA in erster Linie indirekt waren. Das SSA war am meisten durch den anfänglichen und kurzlebigen Zusammenbruch des Welthandels, der seine Exporte behinderte, sowie durch den Rückgang der Kapitalströme und Einbruch der Rohstoff preise aufgrund der verringerten globalen Nachfrage betroffen. Deshalb erlebten die SSA-Länder, die am engsten in die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte integriert sind (wie Südafrika) 2009 den stärksten BIP-Rückgang, während Rohstoff exporteure hauptsächlich aufgrund der Rohstoff preise betroff en waren.[/tab]
[tab] Aufgrund des hohen Wachstums 2009 und 2010 in den aufstrebenden Märkten, insbesondere China und Indien, stellte sich die Krise als kurzlebiger heraus als erwartet. Durch deren anhaltende Rohstoffnachfrage und die anderer Schwellenländer erholten sich die Rohstoffpreise schnell, was die meisten SSA-Länder vor einer Rezession bewahrte. [/tab]
[tab] Die Erholungsfähigkeit der Wirtschaft im SSA kann hauptsächlich der Tatsache zugeschrieben werden, dass „die Ausgangsbedingungen bei Beginn der Krise besser entwickelt waren“.43 Die wesentlichen Verbesserungen in der makroökonomischen Lenkung und die Reformen vor der Krise stellten sich für die meisten SSA-Länder als solide Grundlage heraus, um dem Sturm standzuhalten. Diese allgemeine Feststellung verbirgt natürlich die starken Unterschiede in der Situation von Land zu Land: Die Länder mit hohen Haushalts- und Leistungsbilanzdefi ziten waren stärker betroff en und werden sicherlich länger brauchen, um die Krise zu überwinden. [/tab]
[tab] Die meisten SSA-Länder reagierten ziemlich schnell auf die durch die Krise hervorgerufenen kurzfristigen Probleme. Einige taten dies mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Die Geldreserven verringerten sich 2009 um etwa 9 Mrd. USD und offi zielle Kreditgeber erhöhten die Kapitalfl üsse um 4 Mrd. USD und fi ngen dadurch den Rückgang der Kapitalströme auf. Die Regierungen nutzten auch ihren fiskalischen Spielraum zur Stabilisierung der Wirtschaft und nahmen dabei eine beträchtliche Neuverschuldung in Kauf. Mit diesen einmaligen Fiskaldefi ziten gelang es einigen Ländern, „öff entliche Ausgaben zur Armutsbekämpfung und Wachstumssteigerung zu schützen“, wie beispielsweise in den Bereichen Gesundheit und Bildung. [/tab]
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Auf nationaler Ebene ragen Mauretanien und Botswana als SSA-Länder heraus, die über einen bedeutenden Zeitraum hinweg Stabilität und eine gute Regierungsführung erreicht haben. Wie die jüngsten weltweiten Indikatoren für Regierungsführung zeigen „bedeutet die Klassifizierung als Entwicklungsland nicht automatisch schlechte Regierungsführung“. So wurde Ruanda nach dem Genozid von 1994 ein Symbol für die afrikanische Wende, indem es wirtschaftliches Wachstum, sozialen Fortschritt und bedeutende Verbesserungen in der Regierungsführung erreichte. Obwohl der Wahlkampf, der im August 2010 zur Wiederwahl von Präsident Kagame führte, internationale Besorgnis hervorrief,14 gilt Ruanda als friedliches Land mit stabilen Institutionen, deren gute Funktionsweise es der EU ermöglicht, 75 % der Entwicklungshilfe für das Land über Budgethilfe auszuzahlen. Das Land gehört auch zu den wenigen in Afrika, die auf dem besten Weg zur Erreichung der Millenniumsziele sind und das Ziel – Gleichstellung von Männern und Frauen und Stärkung der Position der Frauen – fast erreicht haben, wobei im Parlament mehr als 56 % Frauen sind und in den Haupt- und Oberschulen Gleichstellung herrscht. Die Erholung Liberias vom Konflikt (1989-2003) wird ebenfalls als Erfolgsgeschichte gelobt, insbesondere nach den Wahlen von 2005, aus denen Ellen Johnson-Sirleaf als erste afrikanische Präsidentin hervorging. Der Mo Ibrahim Index of African Governance zeigt, dass Liberia die umfassendsten Verbesserungen zwischen 2005 und 2009 verzeichnete und die Bewertung des Landes von 32 auf 44 Punkte stieg. Neben anderen Erfolgen war Liberia 2009 das erste afrikanische Land, dass die Initiative für Transparenz in der Rohstoff wirtschaft erfüllte, was angesichts der Rolle der natürlichen Ressourcen im liberianischen Konflickt eine äußerst bezeichnende Leistung ist. Die Worldwide Governance Indicators und der Mo-Ibrahim-Index weisen auch auf wesentliche Verbesserungen in Ländern wie Ghana, Angola, Sierra Leone und Togo hin. Natürlich können mit diesen Indikatoren nicht alle Nuancen und Herausforderungen erfasst werden, zumal die Regierungsführung ein äußerst heikles und kontroverses Thema ist. Die Länder, die sich „verbessert“ haben, begannen oft auf einem sehr niedrigen Niveau. Ihre Leistungen und Fortschritte dürfen deshalb nicht überbewertet werden. Sie dürfen auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere SSA-Länder in ihrer Entwicklung stagnieren oder zurückfielen. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass die Zunahme der Demokratien in SSA-Staaten (von 3 im Jahre 1989 auf 23 im Jahre 2008)18 und demokratischer Wahlen (circa 50 zwischen 2005 und 2009) sowie die zahlreichen nationalen Initiativen zur Regierungsführung (auf allen Ebenen) darauf schließen lassen, dass die SSA-Regierungen insgesamt verantwortungsbewusster handeln, was nicht zuletzt an der regionalen und subregionalen Führung liegt.

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Aus dem E U R O P Ä I S C H E R – ENTWICKLUNGSBERICHT
(The ERD-project is financed by the European Commission and seven Member States: Germany, France, Finland, Luxembourg, Spain, Sweden and the United Kingdom)
Quellenangabe: http://erd.eui.eu/