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Colored Footprint

Neues Projekt

Wir machen uns bald wieder auf den Weg nach Afrika. Diesmal mit einem neuen Projekt.

Der kleine Käfer Kribbel und seine traurige Mama

Ein interkulturelles Kinderbuch-Projekt zur Aufklärung von Kindern psychisch kranker Eltern

Wir wollen in jedem Land, das wir im kommenden Jahr bereisen, eine Schule besuchen und dort die Geschichte vom kleinen Käfer Kribbel erzählen. Während die Kinder der Geschichte lauschen, haben sie die Möglichkeit mit den gespendeten Buntstiften ihre Gedanken zu der Geschichte zu visualisieren. Da in den Regionen die wir besuchen werden der Zugang zu Buntstiften stark begrenzt bis nicht vorhanden ist, bekommen die Kinder die verwendeten Buntstifte geschenkt. So leistet das Projekt einerseits einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von Kindern über das Thema der Depression. Andererseits fördert das Projekt durch das Spenden von Buntstiften einen nachhaltig kreativen Schulunterricht. Wir erhoffen uns durch das Projekt in jedem Land einen pädagogisch wertvollen „Colored Footprint“ zu hinterlassen.

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Mehr Informationen zum Projekt auf www.coloredfootprint.com

 

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Handeln statt Spenden

Unter dem Titel „Trade statt Aid“ hat das Betterplace Lab folgenden Artikel Veröffentlicht.

Jenseits der Strukturen und Institutionen des sozialen Sektors und der Hilfsindustrie bergen digitale Medien ein enormes wirtschaftliches Potential für arme Bevölkerungsgruppen weltweit. Dank Internet und Mobilfunk können viele derer, die wir bislang die „Begünstigten“ genannt haben, ihre Interessen selbst in die Hand nehmen und sich von Hilfsstrukturen emanzipieren. Aufgrund einer Reihe von Entwicklungen der letzten Jahre werden Menschen, die bislang aus Wirtschaftskreisläufen ausgeschlossen waren, in diese einbezogen und können ihre Lebensverhältnisse maßgeblich verbessern.

Dies geschieht unter anderem durch Ansätze, die in der so genannten Base-of-Pyramid (BoP) verortet sind. BoP bezieht sich auf die vier Milliarden Menschen, die weniger als zwei US-Dollar am Tag zur Verfügung haben und bislang in unternehmerischen Wertschöpfungsketten vernachlässigt wurden. Im Zuge des BoP-Ansatzes entstehen neue Geschäftsmodelle, die es sich zu Nutze machen, dass diese Zielgruppe zwar eine geringe individuelle Kaufkraft hat, aber aggregiert einen Massenmarkt darstellt, für den es sich lohnt, Produkte und Dienstleistungen zu entwerfen. Viele BoP-Konzepte richten sich an arme Menschen als Kunden, z.B. in dem man ihnen kleine Packungen Haarshampoo oder Waschpulver verkauft oder sie mit einem Mikrokredit ausstattet, der ihnen erlaubt eine Bewässerungsmaschine zu erwerben.

Schon Jack Welch, ehemaliger Chef von General Electric, sagte: „Control your own destiny. Or someone else will.“ Eben diese Selbstbestimmung ermöglichen BoP-Ideen, die arme Bevölkerungsgruppen als Wiederverkäufer zu integrieren und ihnen so ein Einkommen zu verschaffen. Beispielsweise bietet das Sozialunternehmen Solar Sisters Afrikanerinnen ein Solar Start Kit, welches diese nach einer Schulung und mit Marketing-Unterstützung in ihren Netzwerken an Nachbarn, Familie und Freunde vertreiben. Modell: Tupperparty für Solarenergie.

Ansätze wie diese werden auch von Entwicklungsökonomen unterstützt. Es besteht ein Konsens darüber, dass Jobs ein besseres Instrument zur Armutsbekämpfung sind als Hilfeleistungen. Bezahlte Arbeit führt zu einer Reihe positiver Folgen: sie macht Menschen unabhängig, gibt ihnen Würde, spornt sie an, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und stärkt die Kaufkraft im Land. Untersuchungen bestätigen (s. Buch Poor Economics), dass Arbeit der wichtigste Hebel ist, um Familien aus der Armut zu holen, das heißt, wenn ein Familienmitglied einer festen Lohntätigkeit nachgeht, vorzugsweise im öffentlichen Sektor. Auch die etablierte EZ sucht immer mehr nach marktwirtschaftlichen Ansätzen Armut zu beseitigen. So startete jüngst Devex (die größte Online- Community im Entwicklungsbereich) und USAID eine gemeinsame Plattform, auf der sich Entwicklungsexperten und Unternehmer austauschen sollen. Digitale Medien verschaffen diesem Trend in vielerlei Hinsicht einen Turbo.

Online Zugang zu Mikrokrediten und Vorfinanzierung

Internetplattformen wie Kiva, MyC4 oder Zafén vermitteln Mikrokredite an Kleinunternehmer, die damit wichtige Investitionen tätigen können. Von dem Billiardtisch für eine Kneipe in Baku, der den Umsatz steigern soll, bis zur Nähmaschine für eine Township-Bewohnerin im südlichen Afrika, unterstützen mittlerweile schon Millionen von sozialen Investoren über solche Online-Plattformen Menschen dabei, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Auch Crowdfunding- und Spendenplattformen wie Kickstarter, Indiegogo oder betterplace.org werden in Einzelfällen von Kleinunternehmern genutzt, um Startkapital zusammen zu bekommen oder Produkte vorfinanzieren zu lassen.

Insbesondere Handys haben in den letzten Jahren großes Potential bewiesen, Menschen aus der Armut herauszuholen. Mehrere Studien zeigen, dass mit der Zahl der genutzten Mobiltelefonen in einem Land auch dessen Bruttoinlandsprodukt wächst (das Tempo ist besonders in Entwicklungsländern hoch). Viele Entwicklungsexperten sehen in Mobiltelefonen das wohl wichtigste Entwicklungswerkzeug; eine Technologie, die wir nicht den Milliarden Dollars der Entwicklungshilfe verdanken, sondern das ein Produkt des privatwirtschaftlichen Sektors ist und das nun vielseitig und innovativ genutzt wird. Alleine in Afrika gibt es heute (Stand Okt. 2012) 735 Millionen Handys, das entspricht einer einer Abdeckung von 70% auf dem Kontinent. Dabei ist es für die meisten der hier genannten Fälle unerheblich, ob es sich um (die noch wenigen) Smartphones, oder ältere Modelle handelt, da viele digital-sozialen Innovationen auch per SMS funktionieren.

Mobilfunk revolutioniert unternehmerisches Handeln

Im Zuge des Trends Trade statt Aid werden Mobiltelefone fürs Banking, die Vergabe von Krediten, den Abschluss einer Versicherung oder die Verbreitung von aktuellen Marktinformation genutzt. Das Vorzeigeland für mobile Banking ist Kenia mit MPesa (hier eine lablog-Reihe dazu). Mittlerweile können mehr als 15 Millionen Kenianer über ihr mobiles MPesa-Konto Geld transferieren und erhalten. So haben Menschen, die bislang als „unbanked“ galten, da herkömmliche Banken zu hohe Gebühren und Sicherheiten für die Eröffnung eines Kontos verlangen, erstmals Zugang zum Finanzsystem. Und das führt zu weiteren Innovationen auf dem Mikrofinanzmarkt, wie der Acumen-Blog zeigt.

Auch in Asien gibt es immer mehr Mobile Banking Angebote, etwa in Bangladesch mit der Dutch Bangla Bank, die ähnlich wie M-Pesa funktioniert und keine Kontoführungsgebühr verlangt. Denn bislang haben in dem Land nur 13 Prozent der Menschen ein Bankkonto – aber 45 Prozent haben ein Handy.

Mobile Konten stellen sich zudem als perfekte Basis für andere Dienstleistungen heraus, die ärmeren Bevölkerungsschichten aus Kostengründen bislang verwehrt waren. Über M-Pepea können kenianische Unternehmer und Angestellte über ihr Handy schnell Kredite beantragen und sind auf diese Weise nicht mehr auf die horrenden Zinssätze (bis zu 50%) herkömmlicher Geldverleiher angewiesen. Einmal bei M-Pepea registriert können Angestellte bis zu 20% ihres Monatsgehalts als Kredit beantragen und bekommen das Geld mit einem Pin-Code an Bankautomaten ausgezahlt.

Versicherungen per SMS abschließen

Auch Versicherungsleistungen stehen dank digitaler Technologien armen Zielgruppen vermehrt zur Verfügung. So können kenianische Kleinbauern bei Kilimo Salama eine kostengünstige Versicherung gegen Ernteausfall abschließen. Eine Dürreperiode oder eine Flut zum falschen Zeitpunkt sind für Subsistenzbauern oft existenzbedrohend, da sie keine Vorräte oder Geld haben. Die Versicherung wird zusammen mit dem Saatgut erworben und per M-Pesa abgeschlossen. Einmal als Kunde registriert, scannen eine Reihe von solarbetriebenen Wetterstationen die Klimaverhältnisse in der Region des Bauern. Wenn es zu wenig oder zu viel Regen gibt, erhält der Bauer automatisch über M-Pesa eine Zahlung, die sie für die Kosten der Samen entschädigt. Nur dank digitaler, kostengünstiger Technologien und automatisierter Prozesse können Versicherungskonzerne dieser Zielgruppe einen Schutz anbieten, da eine individuelle Betreuung bei Abschluss, Schadensprüfung und Auszahlung sich bei den geringen Summen nicht rechnen würde.

Der Service hat noch andere Vorteile: Die Wetter-Information, die die Sensoren sammeln, werden ausgewertet und in einer positiven Feedbackschlaufe den Bauern per SMS zugeschickt, die sich besser auf die Witterung einstellen können. Das bedeutet mehr Ernte: Der Zugang zu verlässlichen Daten kann die landwirtschaftliche Produktion um bis zu 20 Prozent steigern und stabile Erträge sichern. Derart abgesichert können Bauern auch risikofreudiger sein: so investierte ein Kunde in teure, aber hochwertige Samen und konnte seinen Ertrag um 150% steigern.

Kühe per SMS managen

Informationstransfer per App oder SMS wird immer populärer. So bietet die App iCow, entwickelt von einem ostafrikanischen Bauern, relevante Zuchtinformationen für Kühe. Der Nutzer registriert seinen Viehbestand bei dem Dienst und erhält dann Textmitteilungen, die ihn an Impftermine und Melkzeiten erinnern, sowie wertvolle Information zu Futter und Zucht beinhalten. iCow wurde explizit als Alternative zu Hilfsleistungen, die die Bauern sonst erhalten hätten, von einer englischen Stiftung entwickelt. Dessen Geschäftsführer schreibt: „Farmers have been empowered to improve their own lives through accessing critical agricultural information as opposed to depending on aid“. Dass der Service sich als Sozialunternehmen mittelfristig selbst refinanzieren soll, ist ein zusätzlicher Anreiz für die Stiftung, das Projekt zu unterstützen.

Immer mehr digitale Dienste bieten Informationen für Bauern und Händler an. Reuter’s Market Light versorgt Millionen indischer Bauern für 90 Cent im Monat mit Informationen zu Wettervorhersagen, Saat- und Ernteanleitungen und aktuellen Marktpreisen. Jeder Bauer erhält die Information in seiner Sprache, angepasst an seinen Arbeitsablauf und lokale Gegebenheiten. Ein indischer Bauer, der auf Mittelsmänner angewiesen ist, die seine Ware zum nächstgelegenen Markt bringen, kennt so den Durchschnittspreis für das Kilo Getreide, das er gerade geerntet hat und kann vom Zwischenhändler nicht mehr so leicht übers Ohr gehauen werden. In Kenntnis der Marktpreise können Bauern auch ihre Ernte ausrichten und in der nächsten Saison die Getreide oder Gemüse anbauen, nach denen die Nachfrage besonders groß ist. Einen vergleichsweise Service bietet e-Choupal, allerdings über kommunale Internetkioske, die in indischen Dörfern aufgestellt werden. Bauern die den e-Choupal Martkinfoservice kostenlos nutzen, sind verpflichtet ihre eigenen Verkaufspreise einzugeben. So bleibt die Plattform aktuell. Auch eine Erwähnung wert: Die SMS-Handelsplattform Google Trader.

Das Internet als Jobhighway

Digitale Medien bieten auch immer mehr Menschen die Möglichkeit, über das Internet oder Mobiltelefone Geld zu verdienen. Dazu zählen natürlich besonders die Millionen Jobs, die in der IT-Industrie im letzten Jahrzehnt in Ländern wie Indien oder China geschaffen wurden. Allein in Indien wurden 2007 vier Millionen neue IT-Jobs geschaffen. Diese Entwicklung wird mit Cloud-Computing noch zunehmen. Prognosen gehen davon aus, dass in China, Indien und der Pazifikzone bis 2015 durch die Cloud 10 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. (Wie besonders Jugendliche Entrepreneurship in südlichen Ländern treiben, zeigt das Southern Innovator Magazine.)

Auch abseits von der Mainstream-IT-Industrie bieten digitale Medien neue Arbeitsmöglichkeiten. Eine der frühen mobilen Plattformen war txteagle. Der Dienst ermöglichte es Handybesitzern, gemeinsam mit vielen anderen große Arbeitsaufträge zu erledigen: Ein großer Konzern hat einen Auftrag zu vergeben, etwa die Übersetzung einer Bedienungsanleitung in Swahili. Doch da professionelle Übersetzer teuer sind, stellt er den Auftrag bei txteagle ein. Hier wurde der Großauftrag in viele einzelne Miniaufträge zerlegt, die die Länge einer SMS nicht überschritten. Die Mikroaufträge wurden via SMS an Mitglieder von txteagle geschickt, die dem Aufgabenprofil entsprachen; in unserem exemplarischen Fall Menschen, die Englisch und Kishuaheli sprechen. Diese übersetzten die englischen Textbausteine und schickten sie wieder an txteagle zurück. Die Kontrolle erfolgte ebenfalls digital: Jede Aufgabe wurde an mehrere Übersetzer geschickt und die am häufigsten genannten Übersetzungen wurden von der Software als korrekt eingestuft und zusammengesetzt wieder an den Auftraggeber zurückgeschickt. Dieser bezahlte für die Übersetzung des Handbuches und txteagle überwies den korrekten Übersetzern ihre Mikrobeträge als Handyguthaben. In 2011 wurde txteagle zu Jana umgebaut: die neue Plattform nutzt die Millionen gelisteten Mobilfunkkunden in Entwicklungs- und Schwellenländern als „Marktbarometer“. Per SMS beantworten sie Umfragen zu verschiedenen Marktforschungsthemen und erhalten im Gegenzug kostenlose Mobilfunkminuten. Das Unternehmen finanziert sich über große Unternehmen wie Danone oder Unilever, die für die Marktanalysen zahlen.

Auch in Industrienationen verbreiten sich Mini-Job-Börsen

Auch über Samasource können Menschen weltweit und unabhängig von ihrem Wohnort digitale Aufgaben für Firmen gegen Bezahlung erfüllen. Auf der Plattform veröffentlichen IT-Unternehmen wie eBay oder LinkedIn Mikrojobs wie das Taggen von Bildern, die u. a. von Bewohnern des größten Flüchtlingslagers Dadaab in Nordkenia erledigt werden.

Das diese Angebote nicht auf Entwicklungsländer beschränkt sind, zeigt der Erfolg von Mechanical Turk. Auf dieser von amazon entwickelten Plattform werden IT-Aufträge eingestellt und von Entwicklern erledigt. Dabei wird die Hälfte der Aufträge von US-Amerikanern erledig. Seitdem die Plattform jedoch auch in Rupien bezahlt, stammen schon 34% der Mikroarbeiter aus Indien (wobei Männer und Frauen in Indien gleich stark vertreten sind).

Auch in Industriestaaten gibt es mittlerweile Plattformen für Mikro-Jobs Auf Taskrabbit werden in den USA meist lokal ausgerichtete Alltagsjobs – vom Einkaufen über den Zusammenbau eines Ikearegals bis zum Gassigehen mit dem Hund – ausgeschrieben und gegen geringe Bezahlung von Interessierten erledigt. Und cashmobbers.net nutzt digitale Kommunikation, um spontane Aktionen zu koordinieren, die die lokale Wirtschaft unterstützen.

Chancen:

  • Arbeitsplätze und Handel sind wohl die wirksamsten Mittel gegen Armut. Digitale Medien, mit deren Hilfe Jobs geschaffen und Infrastrukturen für Handel effizienter gestaltet werden können, sind für Geldgeber und NGOs besonders förderungswürdig.
  • Eine rudimentäre technologische Infrastruktur für Trade statt Aid ist gibt es in den meisten Ländern der Welt schon, sei es über weit verbreitete Mobiltelefone oder kommunale Internet-Kioske.
  • Ständig sinkende Kosten für digitale Medien und der weltweite Ausbau von Kommunikationsinfrastruktur lassen Investitionen in den Trend jetzt als besonders wirksam erscheinen.
  • In vielen Fällen bieten sich Kooperationen mit Akteuren aus der Telekommunikationsindustrie an, die die erforderlichen Budgets bereitstellen können und mittelfristig selbst von den geknüpften Netzwerken und dem Imagegewinn profitieren. Die Tatsache, dass die technologische Infrastruktur nicht aus Mitteln der EZ oder mit Spendengeldern finanziert werden muss, sondern Hilfsprojekte darauf aufsetzen können, ist eine große Chance.
  • Geldgeber aus dem sozialen Sektor und der EZ können die Anschubfinanzierung für Trade-statt-Aid Projekte bereitstellen.
  • Oft werden die spannendsten Trade-statt-Aid-Projekte in Entwicklungsländern selbst entwickelt. Technologieexperten und Unternehmer vor Ort wissen am besten, welche digitale Infrastruktur benötigt wird. Über direkte Feedbackschlaufen zwischen Tech-Unternehmern und Nutzern können die Angebote paßgenau weiterentwickelt werden.

Risiken:

  • Nicht jeder Mensch ist ein Unternehmer und bereit, Risiken einzugehen und flexibel seine Dienstleistungen an die Nachfrage anzupassen.
  • Die gemischte Bilanz der Mikrokredite zeigt, dass Trade statt Aid kein Allheilmittel ist. Studien haben gezeigt, dass viele Mikrokredite nicht in den Unternehmensaufbau, sondern in das Stopfen von Löchern (Medizin in ärtzlichen Notfällen, Schulgeld etc.) fließt.
  • Um einen effizienten und gerechten Handel zu ermöglichen, muss das Welthandelssystem umgebaut, d.h. protektionistische Maßnahmen vor allem der USA und Europa, abgebaut werden. Dies ist in Industriestaaten ein solch massives Politikum, dass ein schneller Umbau unrealistisch erscheint.

Fazit:

Der soziale Sektor tut viel Gutes, besonders nach Katastrophen sind NGOs und Nothilfe unverzichtbar. Doch bei der Bekämpfung „allgemeiner Armut“ führen Spenden und Sach“geschenke“ auch zu Abhängigkeitsverhältnissen. Genau das Gegenteil, nämlich Selbstständigkeit, kann erreicht werden, wenn Menschen Möglichkeiten bekommen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Es gibt zwar keine zwei Milliarden offene Stellen, die die Ärmsten nur per SMS annehmen müssen. Aber über Mobilfunk und Internet entstehen Infrastrukturen, die so günstig nutzbar sind, dass sie auch im Mikrobereich und bei kleinen Beträgen den Austausch von Angebot und Nachfrage ermöglichen. So kann an der Basis der Pyramide (Base of Pyramid) ein gewisser Wohlstand entstehen. Diese selbst erarbeitete Lebensverbesserung wirkt beim einzelnen auch psychologisch besser (Stolz) als bei „Almosen“. Besonders der weit verbreitete und auch in armen Ländern viel genutzte Mobilfunk treibt den Trend Trade statt Aid weiter voran. Noch wird viel experimentiert, aber mehr und mehr Dienste überleben, da sie wirtschaftliche Probleme der „kleinen Leute“ lösen und sich dann groß verbreiten.

Dieser Artikel ist vom betterplace lab  http://trendreport.betterplace-lab.org/trend/trade-statt-aid
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Hello Money

Quer durch Äthiopien. Durch den wunderschönen bergigen Norden, über Addis Abeba bis zur kenianischen Grenze. Über hohes Gebirge, bezaubernde Klöster sowie grandiose Landschaften. Und die Frage: Warum ist Betteln in Äthiopien ein Volkssport?

Nach unserer letzten Nacht auf sudanesischem Boden, traf uns die äthiopische Grenze wie ein Schlag ins Gesicht. Jeder, ausnahmslos jeder hielt die Hand auf. Die Zollbeamten waren nur gegen Geld zum Arbeiten zu bewegen. Die Schlepper, die Kinder und alle anderen fragten nach Geld, Kugelschreiber, Essen, Kleidung, Schreibhefte, etc. Es dauerte nur einige Kilometer, bis die ersten Kinder Steine auf unser fahrendes Auto warfen. Zur allgemeinen Erklärung, gehört das Steinewerfen anscheinend in manchen Gegenden zur Kultur der Äthiopier und ist nicht nur gegen spendenunfreundliche Touristen gerichtet. Wir hatten gesehen, wie die Äthiopier sich gegenseitig mit Steinen bewarfen, wenn sie ihren Unmut kundtun wollten. Vor allem bekamen ihre Tiere Steine zu spüren, wenn diese nicht parierten.  Uns begleiteten die Steine auf fast allen Strecken bis zum Rande des Omo Valleys. Dabei waren wir als Autofahrer wenigstens geschützt. Den Motorradfahrern und vor allem den Fahrradfahrern, die wir unterwegs trafen, erging es weitaus schlimmer.

Ursprünglich hatten wir geplant, direkt bis zum Lake Tana durchzufahren. Nach unserem längeren Aufenthalt an der Grenze beschlossen wir jedoch, zusammen mit Igor und Johannes ein Buschcamp auf halber Strecke mitten in einer wunderschönen bergigen Landschaft aufzuschlagen. Schon als wir unseren Toyota bzw. die Motorräder geparkt hatten wurden wir von immer mehr Kinderaugen stumm und interessiert angestarrt. Sogar die einbrechende Nacht konnte die ca. 20 Kinder und Jugendliche nicht bewegen, endlich ihren Nachhauseweg anzutreten. Je später es wurde, umso eindringlicher wurde gebettelt. Aus reiner Verzweiflung haben wir uns dann doch hinreißen lassen den Kindern Brot, Früchte und Kugelschreiber zu geben. Wir wussten, dass das der größte Fehler war, den Touristen in einem Entwicklungsland machen können. So werden Kinder nur zum Betteln erzogen und werden immer pedantischer, wenn dies zum Erfolg führt. In unserem Fall hatte uns dies nur den Abend gerettet, da  wir die Kinder/Jugendliche dann nach und nach los wurden. Bei Sonnenaufgang um 5:00 Uhr  waren die Kinder schon wieder da und forderten mehr von den Gaben. Uns blieb nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich unsere Sachen zu packen und ohne Kaffee loszufahren, da diesmal die Kinderhände unerlaubterweise überall waren. Zum Abschied flogen dann auch leider wieder Steine. Wir müssen hinzufügen, dass die Menschen in der Gegend nicht hungern. Es gibt überall gut funktionierende Landwirtschaft und genug zu essen. Gebettelt wird anscheinend nur aus Gewohnheit.

Über Gonder ging es an diesem Tag weiter zu den Simien Mountains. Nach einer wilden Off-Road Strecke erreichten wir unser Camp auf 2800 m Höhe. Beim Ticket Office mussten wir uns einen Scout nehmen, da dies die Nationalparkregel vorschreibt. Als der Scout bei der Begrüßung auf unsere Frage „what‘s your name“ nicht reagierte, stellten wir enttäuscht fest, dass er kein einziges Wort Englisch sprach. Zusätzlich hatte er seit langer, langer Zeit keine Dusche mehr gesehen und ein Weiterfahren war trotz eisigen Temperaturen nur noch mit offenen Fenstern möglich. Dafür hatte er ein vollautomatisches Gewehr um eventuelle Angreifer oder wilde Tiere (wir haben weder das Eine noch das Andere gesehen) von uns fern zu halten und ließ sich nicht davon abhalten auch bei nächtlichen Minustemperaturen und Raureif vor unserem Auto zu sitzen. Die Siemen Mountains sind ein Traum von Bergen und Naturspektakel. Wir verbrachten die nächsten drei Tage umgeben von einer wilden, exotischen, naturbelassenen Schönheit der Berge. Zwischen Steinböcken, Affen, Farnwäldern und Palmen sind wir bis auf 4430 m gestiegen.

Über Debark am Rande der Simien Mountains, ging es weiter nach Axum über abenteuerliche aber atemberaubend schöne Pässe jedoch sehr schlechte Pisten. Überall auf den Straßen Äthiopiens gingen die Menschen zu Fuß (alles scheint ständig und immer auf den Beinen zu sein). Zusätzlich spielten Kinder abenteuerlich nah am Straßenrand und winkten ganz wild und aufgeregt mit den Zurufen „youyouyouyou“ „birr birr birr“ (lokale Währung), „hello money“, etc. etc. Noch nicht einmal ein kurzes Stehenbleiben war möglich, ohne gleich belagert zu werden.  Nach und nach werden die Straßen (überwiegend von Chinesen) im bergigen Norden gebaut. Wir sahen sehr viele Frauen und Kinder die am Straßenbau arbeiteten.

Axum erreichten wir trotz Anstrengung an einem Tag. Axum war die Hauptstadt des Aksumetischen Königreiches (1. Jahrhundert nach Christi). Hier wird auch, so glauben die Orthodoxen Christen die israelitische Bundeslade behütet. Ob dem so ist, ist schwer nachzuprüfen, da diese von einem Mönch bewacht wird. Der bewachende Mönch muss seine Lebensaufgabe vor seinem Tode an einen anderen Mönch übergeben.  So bleibt die ganze Geschichte geheimnisumwittert und überaus mythisch. Axum ist auch heute noch einer der wichtigsten heiligen Orte der Orthodoxen Christen in Äthiopien. Wir fanden die Stadt und die Sehenswürdigkeiten allerdings nicht sonderlich spannend. Nach einem Tag Besichtigung der bis zu 33 Meter hohen Stelen (die über 500 Tonnen wiegen), des Museums, ein paar Kirchen und des Bades der Königin von Saba ging es weiter nach Debre Damo. Dieses Kloster liegt auf einem Felsplateau und kann nur über eine senkrechte Felswand von 30 Metern mit einem Lederseil erklommen werden. Gemeinerweise ist der Zutritt nur für Männer gestattet und Viktoria musste unten warten. Hier oben scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es scheint, dass sich seit dem sechsten Jahrhundert hier nicht viel verändert hat. Die kleinen Hütten und das Kloster sind nicht sehr spektakulär. Vielmehr ist es die Sicht, die einen grandiosen Rundumblick über die Berge bis nach Eritrea bietet.

Am übernächsten Tag erreichten wir Lalibela. Die holprige Fahrt ging wieder über schlechte Straßen, wunderschöne Pässe und traumhafte  Landschaften (für 200 km hatten wir ca. 8 Stunden gebraucht). Lalibela (auch Neu-Jerusalem genannt) ist bekannt für seine Felsenkirchen und ist eine der heiligsten Städte Äthiopiens sowie „das“ Wallfahrtszentrum des Landes. Die sehr beeindruckenden und massiven mehrgeschossigen Kirchen wurden im zwölften und dreizehnten Jahrhundert aus den Felsen gehauen. Heute zählen diese Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lalibela war der erste Ort, an dem wir etwas aufatmen konnten, da ein Tourist-Development und Education Programm anscheinend die Einheimischen gelehrt hat, die Touristen in Ruhe zu lassen und nicht ständig anzubetteln.  Das war die reinste Wohltat.

Von Lalibela fuhren wir nach zwei Tagen an den Lake Tana nach Bahir Dar. Bahir Dar ist ein netter, sehr grüner exotischer Ort im Süden des Sees. Der Lake Tana ist bekannt für die Insel-Klöster aus dem vierzehnten Jahrhundert der Christlich-Orthodoxen Kirche. Wir hatten drei der Klöster besichtigt, die sehr bunt waren mit bildhaften Darstellungen der Glaubensgeschichte. Nach Aussage des Tourguids war es einfacher im vierzehnten Jahrhundert den Christlich Orthodoxen Glauben mit Bildern unter Analphabeten zu verbreiten. Die Inselklöster waren schön, jedoch besonders genossen hatten wir, mal einen Tag nicht im Auto durchgerüttelt zu werden, sondern sanft auf dem Wasser zu schaukeln. Auf dem Weg haben wir sogar ein Nilpferd gesehen.

Von Bahir Dar sind wir an einem Tag die relativ gut ausgebaute Strecke nach Addis Abeba gefahren. Wir haben uns sehr gefreut, in Addis Abeba unsere Freunde Dee und James aus England und unsere Biker Freunde Igor und Johannes im Wims New Holland House (GPS Koordinaten N9 00.589 E38 45.318) wiederzutreffen und hatten mit ihnen Weihnachten zusammen gefeiert. Wims, der Besitzer, ist Holländer, der für alle Probleme und Fragen eine Lösung hat.  Zusätzlich ist Wims New Holland House ein Overlandercamp, bei dem sich alle treffen, die entweder Richtung Süden oder Norden unterwegs sind. So hatten auch wir weitere interessante Leute kennengelernt, die ebenfalls auf dem Weg nach Südafrika sind. Addis Abeba war gefüllt mit Erledigungen, wie Visabesorgung bei der Kenianischen Botschaft (GPS Koordinaten: N9 01.945 E38 46.994), Besorgung der Comessa Versicherung für unser Auto (GPS Koordinaten N15 35.851 E32 31.624) und das Ausstempeln des Carnet de Passage bei der Customs and Road Athority (GPS Koordinaten N9 00.874 E38 47.969). Da wir die Turkana See Strecke gefahren sind, hätte es keine Möglichkeit mehr gegeben. Die Grenzposten sind nur minimal besetzt und es gibt keinen Zoll. Zusätzlich hatten wir unsere Lebensmittel aufgestockt und konnten es nicht fassen, dass wir in den Supermärkten italienische Spezialitäten, wie Panetone, Pasta, Mortadella, Parmesan etc. fanden. Gut für uns, dass die Italiener ihre kolonialistischen Spuren so gründlich und nachhaltig hinterlassen haben. Wir fanden es sowieso sehr erstaunlich, dass wir auf unserer Strecke von Norden nach Süden Äthiopiens (auch manchmal in den entlegensten Orten) frische Lebensmittel wie Avocados, Zwiebel, Tomaten, Mangos, etc. kaufen konnten. Wahrscheinlich waren wir  zu einer günstigen Jahreszeit dort. Uns wurden sogar regelrecht die Karotten durch unser Autofenster mitten in den Bergen auf ca. 3000 Metern Höhe gereicht. Das waren die köstlichsten und frischesten Karotten, die wir jemals gegessen hatten.

Einen Tag vor unserer Abreise aus Addis haben wir ein kurzes Interview mit zwei Mitarbeitern von dem Institute for Stustainable Development geführt. Das Entwicklungsprojekt beinhaltet die Verbreitung von „Best Practice“ Techniken unter den Landwirten. Aufgrund des Klimawandels müssen die Landwirte ihre Methoden umstellen um effizienter produzieren zu können und nicht hungern zu müssen. Dies ist besonders wichtig, da mehr als 85% aller Äthiopier in der Landwirtschaft tätig sind und diese einer der wichtigsten Exportgüter darstellt.

Nach Drei Nächten Addis Abeba haben wir uns auf den Weg Richtung Omo Valley gemacht. Wir sind die Strecke über Butajira und Sodo gefahren, die zur Abwechslung mal sehr gut ausgebaut war. In Konso hatten wir besonderes Glück mit unserer Übernachtung. Wir übernachteten etwas außerhalb des Ortes auf einer fantastischen Lodge (GPS Koordinaten N5 20.002 E37 25.794). Der Besitzer der Lodge ist zur Hälfte Schweizer und hat die Lodge sehr geschmackvoll mit einem Design aus dem Jemen und lokalen Materialien ausgestattet. Abends schlemmten wir in seinem Restaurant die lokalen Spezialitäten.

Weiter ging es am nächsten Tag nach Tumi, wo wir mit allen Overlandern, die wir im Wims getroffen hatten, Neujahr gefeiert haben. Die bis dahin angewachsene Gruppe bestand aus zwölf Leuten und es war sehr lustig und feucht-fröhlich. Leider konnte das Pärchen aus Holland Michael & Jeldau nur mit etwas Verspätung dazu stoßen, da sie ca. 40 km vor Tumi zwei platte Reifen hatten. Als wir um 20:00 Uhr davon erfuhren, hatten zwei von unserer Gruppe sofort ein Auto und zwei Ersatzreifen organisiert und die beiden noch an dem Abend „gerettet“.

Das Omo Valley ist nicht nur landschaftlich bezaubernd schön, sondern es gibt mit die faszinierendsten und buntesten ethnischen Gruppen Afrikas. Doch leider sind diese touristisch schon sehr erschlossen und eine Besichtigung fühlt sich eher an wie ein Zoobesuch. Außerdem ist ein Besuch eines Dorfes nur mit Scout und Guide möglich und kostet Unsummen von Personal-, Eintritts- und Fotogebühren. Da wir uns auf dem Weg Richtung Süden befinden und noch sehr viele Stämme sehen werden, haben wir uns entschieden nur bei einem Dorf des „Hammer-Stammes“  spontan auf unserem Weg nach Kenia vorbeizufahren. Auf unserem Weg Richtung Süden haben wir dann auch den einen oder anderen Stammangehörigen gesehen.

Die Ausreise nach Kenia war sehr unspektakulär und war in 10 Minuten erledigt, da wir die Formalitäten schon in Addis Abeba erledigt hatten.

Zusammenfassend können wir sagen, dass wir die Landschaft Äthiopiens trotz zum Teil sehr schlechten Straßen sehr genossen haben und außergewöhnlich faszinierend fanden. Jedoch fühlten wir uns von den Menschen egal wo wir waren bedrängt. Wie anfangs schon erwähnt, wurden wir sogar mit „Hello Money“ begrüßt oder mit den Worten „You have to give me money!“.  Die Menschen scheinen sich so sehr an Hilfe von außen gewöhnt zu haben, dass alles was nicht äthiopisch aussieht angebettelt wird. Ohne Zweifel, das Land ist sehr arm. Viele Menschen leben und betreiben ihre Landwirtschaft wie vor 3000 Jahren. Wir haben auf dem Weg vom Norden in den Süden keinen einzigen Traktor gesehen sondern nur Menschen, die mit Holzgabeln und Tieren arbeiteten. Irgendetwas scheint mit der Entwicklungshilfe in Äthiopien nicht zu stimmen. Es scheint so, dass in keinem Land Afrika’s mehr Entwicklungshilfe geleistet wird als dort. Wir hatten in jedem auch noch so kleinen  Dort mindestens ein Schild von internationalen Entwicklungsprojekten gesehen. Jede erdenkliche Entwicklungsorganisation ist bestimmt einmal in Äthiopien vertreten. In Addis Abeba gibt es das teuerste und beste Hotel Afrika’s und wie wir gehört haben, übernachten dort viele Mitarbeiter von Entwicklungsgesellschaften. Zusätzlich fahren diese Mitarbeiter mit den neuesten und teuersten Geländewagen durch die Gegend. Es ist für uns schwer nachvollziehbar, dass im Osten des Landes zur Zeit eine der schlimmsten Hungerkatastrophen herrscht trotz guter Ernte und langer Regenzeit. Wir haben den Osten Äthiopiens nicht bereits, da wir aus Sicherheitsgründen und sehr schlechten Straßen nicht zu nahe an die somalische Grenze fahren wollten.

Unsere Highlights:

  • Die faszienierenden Landschaften Äthiopiens
  • Die wunderschöne Bergwelt der Simien Mountains
  • Die Felsenkirchen von Lalibela
  • Der schöne und exotische Ort Bahir Dar
  • Die Klöster auf dem Lake Tana
  • Die unterschiedlichen ethnischen Stämme des Omo Valley‘s
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Soziale Sicherung Afrika

Der Impuls für soziale Sicherung im subsaharischen Afrika hat sich verstärkt. Es gibt ein starkes Engagement und Erfolge auf
gesamtafrikanischer, subregionaler und nationaler Ebene.
Nach der Lebensmittel-, Öl- und Finanzkrise zeichnet sich ein globaler Konsens darüber ab, dass soziale Sicherung ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklungpolitik sein muss und eine unerlässliche Voraussetzung für ein stabiles Wachstum, insbesondere der armen Bevölkerungsschichten, und zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele darstellt. Soziale Sicherung kann einen direkten Beitrag zum Wachstum leisten und den Nutzen anderer sozialer Investitionen verstärken. Die positiven Effekte des Wachstums können über die soziale Sicherung direkt an besonders gefährdete und ausgeschlossene Gruppen weitergegeben und der Vertrag zwischen Staat und Bürgern kann auf eine solidere Grundlage gestellt werden. Durch direkte und indirekte Leistungen kann soziale Sicherung oft einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut bieten.

[box type=“info“] Die Lebensmittel- und Ölkrise traf das subsaharische Afrika besonders hart. Im Jahr 2007 stiegen die Rohstoffpreise rasant und die Lebensmittelpreise stiegen ab Ende 2006 um mehr als 45 %. Für viele Produkte, unter anderem für Rohöl, Zinn, Nickel, Sojabohnen, Mais und Weizen, stieg der Dollarpreis auf einen Höchststand. Der Anstieg erfolgte zunächst bei einigen der wichtigsten Futterpfl anzen (Mais, Weizen und Speiseöl), weitete sich dann jedoch auch auf andere Lebensmittel aus. Da der Anstieg der Lebensmittelpreise auf den einheimischen Märkten in den meisten Ländern weitergegeben wurde, waren die sozialen Folgen für die arme Stadtbevölkerung beträchtlich. In einigen Ländern führte die Lebensmittel- und Ölkrise zu sozialen Spannungen und in Burkina Faso, Kamerun, Niger und Mosambik sogar zu Unruhen.[/box]

Soziale Sicherung ist kein Luxusgut, sondern im subsaharischen Afrika (SSA) notwendig und durchführbar. Verschiedene Programme sind in der Region bereits umgesetzt worden. Die dadurch verbesserten Entwicklungaussichten zeigen, dass soziale Sicherung ein gangbarer Weg ist. Infolge der rasch aufeinander folgenden Lebensmittel-, Öl- und Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 ist soziale Sicherung mehr denn je notwendig, um die Folgen von Schocks abzufedern und die anhaltende Armut und Gefährdung in Afrika zu überwinden. Im Zuge der Ausweitung der sozialen Sicherung in den jüngsten Krisenzeiten ist die Unterstützung für einen systematischen Aufbau solcher Programme im subsaharischen Afrika und auf internationaler Ebene gestiegen. Dies ist der richtige Zeitpunkt, um in einem europäischen Entwicklungsbericht Argumente für soziale Sicherung in Afrika anzuführen und anhand der vorliegenden Erkenntnisse die bedeutende Rolle des eigenen Engagements vor Ort sowie die Möglichkeiten der Unterstützung durch internationale Partner, insbesondere der Europäischen Union (EU), aufzuzeigen.

Der verlorener Subkontinent

Das subsaharische Afrika wurde oft als verlorener Subkontinent betrachtet, „wo anscheinend nur Armut und Konflikte gedeihen“. In den verlorenen Jahrzehnten (1980er und 1990er Jahre), fiel das SSA hinter dem Fortschritt anderer Entwicklungsländer, insbesondere in Asien und Lateinamerika, zurück.
Die Lage hat sich jedoch seit Beginn dieses Jahrtausends zum Besseren gewendet. Mehrere SSA-Länder haben entgegen den Klischeevorstellungen bedeutende (weitere) Schritte auf dem Weg zu den Millennium-Entwicklungszielen (MDG) unternommen und ein stabiles wirtschaftliches Wachstum erreicht, das durch zahlreiche Erfolgsgeschichten belegt wird. Das SSA ist jedoch keine einheitliche Region, sondern zeichnet sich durch eine starke Vielfalt und oft sehr unterschiedliche Entwicklungswege der einzelnen Länder aus.4 Es lässt sich auch nicht leugnen, dass die Lage in einigen Ländern schlechter bestellt ist als in anderen und teilweise auch Rückschläge zu verzeichnen sind. Durch dieses düstere Gesamtbild des SSA sind jedoch die wesentlichen Erfolge der
„aufstrebenden“ SSA-Länder oft überschattet worden.

Der Fortschritt in der Regierungsführung

In erster Linie ist festzustellen, dass viele SSA-Länder spürbare Fortschritte in der Regierungsführung erreicht haben – ein wesentlicher Punkt auf der heutigen Entwicklungsagenda. Das afrikanische Engagement zur Verbesserung der Regierungsführung kommt vielleicht am besten in der Einrichtung des Afrikanischen Peer-Review-Mechanismus (APRM) von 2002 im Rahmen der Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD) zum Ausdruck.

Bis Ende 2009 unterzeichneten 30 der 53 Staaten der Afrikanischen Union (AU)7 diese innovative afrikanische Initiative, die als wichtigster Mechanismus zur Selbstkontrolle der Regierungsführung fungiert. Trotz bestehender Herausforderungen hat sich der APRM bislang bei der Entwicklung der Regierungsführung und eines gemeinsamen Dialogs über kontroverse Themen durch „umfassende und offene Analysen über die wichtigsten Probleme der Regierungsführung“ bewährt.
Bei einer jüngsten Analyse des APRM-Prozesses in neun Ländern der AU durch das Afrikanische Projekt zur Kontrolle und Förderung der Regierungsführung wurde festgestellt, „dass das Urteil über den APRM-Prozess unterschiedlich ausfällt“, er jedoch zumindest eine nationale Debatte ermöglicht habe. Eine Studie der Partnerschaft Afrika-Kanada über den APRM in sieben SSA-Ländern geht sogar noch weiter und kommt zu dem Schluss, dass „sich Veränderungen in der Art und Weise vollziehen, wie Regierungen und Länder geführt werden“. Andere AU-Initiativen wie die Afrikanische Charta für Demokratie, Wahlen und Regierungsführung von 2007, lassen darauf schließen, dass die Regierungsführung in breiten Teilen des Kontinents Priorität erlangt hat.

Die Gründe für die moderaten Auswirkungen der Finanzkrise

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[tab] Im Gegensatz zu früheren Krisen entstand die gegenwärtige Finanzkrise vollständig in den Industrieländern, während die Übertragungswege zum SSA in erster Linie indirekt waren. Das SSA war am meisten durch den anfänglichen und kurzlebigen Zusammenbruch des Welthandels, der seine Exporte behinderte, sowie durch den Rückgang der Kapitalströme und Einbruch der Rohstoff preise aufgrund der verringerten globalen Nachfrage betroffen. Deshalb erlebten die SSA-Länder, die am engsten in die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte integriert sind (wie Südafrika) 2009 den stärksten BIP-Rückgang, während Rohstoff exporteure hauptsächlich aufgrund der Rohstoff preise betroff en waren.[/tab]
[tab] Aufgrund des hohen Wachstums 2009 und 2010 in den aufstrebenden Märkten, insbesondere China und Indien, stellte sich die Krise als kurzlebiger heraus als erwartet. Durch deren anhaltende Rohstoffnachfrage und die anderer Schwellenländer erholten sich die Rohstoffpreise schnell, was die meisten SSA-Länder vor einer Rezession bewahrte. [/tab]
[tab] Die Erholungsfähigkeit der Wirtschaft im SSA kann hauptsächlich der Tatsache zugeschrieben werden, dass „die Ausgangsbedingungen bei Beginn der Krise besser entwickelt waren“.43 Die wesentlichen Verbesserungen in der makroökonomischen Lenkung und die Reformen vor der Krise stellten sich für die meisten SSA-Länder als solide Grundlage heraus, um dem Sturm standzuhalten. Diese allgemeine Feststellung verbirgt natürlich die starken Unterschiede in der Situation von Land zu Land: Die Länder mit hohen Haushalts- und Leistungsbilanzdefi ziten waren stärker betroff en und werden sicherlich länger brauchen, um die Krise zu überwinden. [/tab]
[tab] Die meisten SSA-Länder reagierten ziemlich schnell auf die durch die Krise hervorgerufenen kurzfristigen Probleme. Einige taten dies mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Die Geldreserven verringerten sich 2009 um etwa 9 Mrd. USD und offi zielle Kreditgeber erhöhten die Kapitalfl üsse um 4 Mrd. USD und fi ngen dadurch den Rückgang der Kapitalströme auf. Die Regierungen nutzten auch ihren fiskalischen Spielraum zur Stabilisierung der Wirtschaft und nahmen dabei eine beträchtliche Neuverschuldung in Kauf. Mit diesen einmaligen Fiskaldefi ziten gelang es einigen Ländern, „öff entliche Ausgaben zur Armutsbekämpfung und Wachstumssteigerung zu schützen“, wie beispielsweise in den Bereichen Gesundheit und Bildung. [/tab]
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Auf nationaler Ebene ragen Mauretanien und Botswana als SSA-Länder heraus, die über einen bedeutenden Zeitraum hinweg Stabilität und eine gute Regierungsführung erreicht haben. Wie die jüngsten weltweiten Indikatoren für Regierungsführung zeigen „bedeutet die Klassifizierung als Entwicklungsland nicht automatisch schlechte Regierungsführung“. So wurde Ruanda nach dem Genozid von 1994 ein Symbol für die afrikanische Wende, indem es wirtschaftliches Wachstum, sozialen Fortschritt und bedeutende Verbesserungen in der Regierungsführung erreichte. Obwohl der Wahlkampf, der im August 2010 zur Wiederwahl von Präsident Kagame führte, internationale Besorgnis hervorrief,14 gilt Ruanda als friedliches Land mit stabilen Institutionen, deren gute Funktionsweise es der EU ermöglicht, 75 % der Entwicklungshilfe für das Land über Budgethilfe auszuzahlen. Das Land gehört auch zu den wenigen in Afrika, die auf dem besten Weg zur Erreichung der Millenniumsziele sind und das Ziel – Gleichstellung von Männern und Frauen und Stärkung der Position der Frauen – fast erreicht haben, wobei im Parlament mehr als 56 % Frauen sind und in den Haupt- und Oberschulen Gleichstellung herrscht. Die Erholung Liberias vom Konflikt (1989-2003) wird ebenfalls als Erfolgsgeschichte gelobt, insbesondere nach den Wahlen von 2005, aus denen Ellen Johnson-Sirleaf als erste afrikanische Präsidentin hervorging. Der Mo Ibrahim Index of African Governance zeigt, dass Liberia die umfassendsten Verbesserungen zwischen 2005 und 2009 verzeichnete und die Bewertung des Landes von 32 auf 44 Punkte stieg. Neben anderen Erfolgen war Liberia 2009 das erste afrikanische Land, dass die Initiative für Transparenz in der Rohstoff wirtschaft erfüllte, was angesichts der Rolle der natürlichen Ressourcen im liberianischen Konflickt eine äußerst bezeichnende Leistung ist. Die Worldwide Governance Indicators und der Mo-Ibrahim-Index weisen auch auf wesentliche Verbesserungen in Ländern wie Ghana, Angola, Sierra Leone und Togo hin. Natürlich können mit diesen Indikatoren nicht alle Nuancen und Herausforderungen erfasst werden, zumal die Regierungsführung ein äußerst heikles und kontroverses Thema ist. Die Länder, die sich „verbessert“ haben, begannen oft auf einem sehr niedrigen Niveau. Ihre Leistungen und Fortschritte dürfen deshalb nicht überbewertet werden. Sie dürfen auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere SSA-Länder in ihrer Entwicklung stagnieren oder zurückfielen. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass die Zunahme der Demokratien in SSA-Staaten (von 3 im Jahre 1989 auf 23 im Jahre 2008)18 und demokratischer Wahlen (circa 50 zwischen 2005 und 2009) sowie die zahlreichen nationalen Initiativen zur Regierungsführung (auf allen Ebenen) darauf schließen lassen, dass die SSA-Regierungen insgesamt verantwortungsbewusster handeln, was nicht zuletzt an der regionalen und subregionalen Führung liegt.

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Aus dem E U R O P Ä I S C H E R – ENTWICKLUNGSBERICHT
(The ERD-project is financed by the European Commission and seven Member States: Germany, France, Finland, Luxembourg, Spain, Sweden and the United Kingdom)
Quellenangabe: http://erd.eui.eu/

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GINI Index Afrika

Der GINI-Index welcher auch  auch GINI-Koeffizient genannt wird, ist eine statistische Maßzahl, die angibt, wie gerecht das Einkommen innerhalb einer Volkswirtschaft verteilt wird. Der Gini Index wurde vom italienischen Statistiker Corrado Gini entwickelt und dient dazu Ungleichheit einer beliebigen Verteilung zu messen. Der Gini-Koeffizient nimmt Werte zwischen 0 und 1 (0 = 0% und 1 = 100%) an. Erreicht der Gini-Koeffizient einen Wert von 0, kann von einer perfekten gleichmäßigen und gerechten Verteilung gesprochen werden. Erreicht der Wert dagegen 1, ist die Verteilung perfekt ungleich. Die meisten entwickelten Industrieländer erreichen einen Wert zwischen 0,24 und 0,36. Die USA allerdings haben einen Gini-Index von 0,4 und erreichen damit den selben Wert wie China. Bei den Entwicklungsländern weist der Gini-Index höhere Schwankungen auf und nimmt Werte zwischen 0,25 und 0,71 an.

Die einzelnen Koeffizienten erfordern eine besonders kritische Überprüfung der Berechnung, da ansonsten die Ungleichheitskoeffizienten nicht miteinander verglichen werden können. Somit ist es immer erforderlich, dass die Koeffizienten in allen Fällen einheitlich berechnet wurden. Der Gini-Index sagt nichts zur Qualität noch zum Pro Kopf einkommen des einzelnen Landes aus. Die Messerte geben nur Aufschluss darüber wie gerecht oder ungerecht das gesamte Einkommen, innerhalb einer Gesellschaft verteilt ist.

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Entwicklungshilfe schönrechnen

Die Verpflichtung der G8-Staaten, ihre Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 um 50 Milliarden Dollar aufzustocken ist klar verfehlt. Die Verpflichtung der reichen Staaten 0,36% ihres Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe bereitstellen ist damit nicht erreicht worden. Diese Summe ist zwar nur die Hälfte dessen, was laut UNO nötig wäre um die Millenniumsziele zur Halbierung der Armut zu erreichen.  Aber so selbst die hälfte wollen die Statten der ersten Welt nicht aufbringen.

Obwohl die Industriestaaten ihre Entwicklungshilfe auf über 128.73 Milliarden Dollar im Jahr 2010 erhöht haben – ist dieser Betrag nur auf dem Papier vorhanden.
In der Realität steht heute nicht mehr Geld für die konkrete Hilfe zur Verfügung als vor ein paar Jahren. Der größte Teil der zusätzlichen Entwicklungshilfe resultiert aus Schuldenstreichungen. Anders als auf dem Entwicklungsgipfel 2002 in Monterrey beschlossen, wurde der Erlass nicht zusätzlich gewährt, sondern vollständig als Entwicklungshilfe angerechnet – obwohl viele der Schulden aus Anleihen stammen, die mit Entwicklung nichts zu tun hatten. Diese Gelder wurden damit nachträglich in Entwicklungshilfe umdeklariert.

Geber im Vergleich 2010

Die Entwicklungshilfestatistiken wurden schon in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aufgehübscht. Seit 1979 werden Verwaltungskosten angerechnet. Dazu gehören zum Beispiel auch die Gehälter und laufenden Kosten des zuständigen Ministeriums. 1984 kamen die Kosten für Studenten aus Entwicklungsländern dazu. Kommen also zehn Prozent der Studenten einer deutschen Universität aus Entwicklungsländern, werden automatisch zehn Prozent aller Kosten für diese Universität als deutsche Entwicklungshilfe angerechnet – auch wenn die  Absolventen später in Deutschland bleiben und hier als Ingeneure oder Ärzte arbeiten. Sogar Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge und Asylbewerber aus Entwicklungsländern offiziell als Entwicklungshilfe. Mittlerweile werden sogar die Kosten für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Entwicklungshilfe angerechnet.

Auch Verpflichtungsermächtigungen gegenüber internationalen Organisationen gelten als Entwicklungshilfe – egal ob das Geld je abgerufen wird. Problematisch sind auch gebundene Kredite: Wenn nur ein Viertel der gewährten Summe als Zuschuss vergeben wird, gilt der gesamte Kredit als „Entwicklungshilfe“. Mit dieser sog. Mischfinanzierung werden vor allem Aufträge für die Wirtschaft der Industrieländer gesichert. Für Deutschland heißt das nach Angaben des BMZ: eine Milliarde Euro Entwicklungshilfe ziehen bis zu drei Milliarden Exporte und zwei Milliarden Euro öffentliche Einnahmen nach sich.

Gegenüber der Ausgaben für Entwicklungshilfe von 128.73 Milliarden Dollar pro Jahr stehen 1339 Milliarden Dollar für Rüstungszwecke (2010). Alleine auf die Vereinigten Staaten entfielen mit 547 Milliarden Dollar 45 Prozent aller Rüstungsausgaben was fast viermal soviel ist, wie die gesamte Entwicklungshilfe Etat Weltweit.

Damit sind alleine die Rüstungsausgaben der UN-Mitgliedsländer in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar gewachsen. Das entspricht, rein rechnerisch, 217 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung.

Quelle: OECD / DAC / SIPRI / BMZ

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Kinderheirat in Äthopien

Äthiopien hat eine der höchsten Raten von Kinderheirat in der Welt. 43% der Mädchen in Äthiopien, vorwiegend in der Amhara Region, werden vor ihrem 15 Lebensjahren verheiratet. Als Reaktion darauf hat die United Nations Foundation (UNF) ein Bildungsprogramme in Äthiopien aufgelegt, welches Mädchen und Frauen ermöglicht die Schulezu besuchen.  Mit der Investitionen in Bildung, hofft die UNF  eine Veränderung in  dieser sensiblen Frage zu erreichen. Die meisten Länder sehen ein Mindestalter für Eheschließungen vor, doch werden in einigen traditionellen Gesellschaften die gesetzlichen Bestimmungen oft nicht eingehalten. Verheiratungen im Kindesalter, d.h. vor Erreichen der offiziellen Ehemündigkeit und in Extremfällen sogar vor Beginn der Pubertät, sind bei Mädchen stärker verbreitet als bei Jungen. Gründe für eine Kinderheirat können sein, dass Eltern ihre Tochter als Jungfrau verheiraten wollen oder die Familie die Lebenshaltungskosten der Tochter möglichst früh einsparen will, da diese dann vom Ehemann getragen werden, sobald die Ehefrau in seinen Haushalt zieht.

Zwangsheirat

Zwangsheirat verstösst gegen die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, bei Kinderheirat wird zusätzlich gegen die UN-Kinderrechtskonvention und gegen sexuellen Kindesmissbrauch verstoßen. Doch es gibt viele Gründe, warum die Zwangsheirat, darunter unter großem Anteil die Kinderheirat, immer noch fortbesteht. Dies sind hauptsächlich traditionelle Gründe und Bräuche, aber auch Armut und AIDS sowie der wohlmeinende Schutz der Mädchen durch deren Eltern. Mehr Informationen

Artikel

Kinderbräute: „Diene und gehorche!“
Bericht des UNO-Weltbevölkerungsfonds UNFPA 2008

Äthiopien: Gewalt und Kinderehen tabu

Wenn Kinder heiraten müssen
Kinderheirat Wikipedia