Jambo

Tansania ist das Land der schneebedeckten Berggipfel, schneeweißen Sandstrände, türkisfarbenen Ozeane, wilden Tiere, fruchtbaren Felder, blühenden Sisalfelder und der höchsten Eintrittspreise. Nachdem wir Ruanda hinter uns gelassen haben, ging es bei Rusumo über die Grenze nach Tansania. Und wieder trafen wir auf freundliche Grenzbeamte, die unsere Abfertigung in kürzester Zeit erledigten.  Belustigt stellten wir fest, dass auch hier beim Grenzübergang zwischen den Ländern, wie bereits bei der Einreise, die absolute Straßenseitenverwirrung herrschte, da in Tansania wieder auf der linken Seite gefahren wird.

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Auf dem Weg nach Biharamulo am Victoria See, unserem ersten Ziel, fiel uns auf, dass Tansania wesentlich dünner besiedelt ist als Ruanda. Links und rechts der Straße sahen wir nur vereinzelte Hütten zwischen einer nicht endenden Savanne mit Büschen und kleinen Bäumen. In Biharamulo haben wir im Innenhof eines ehemaligen deutschen Forts, das noch unter Kaiser Wilhelm erbaut wurde, übernachtet (GPS Koordinaten S2 37.907 E31 18.291). Die damals deutschen Kolonialherren haben diesen weit abgelegenen Außenposten wahrscheinlich in berühmt deutscher Qualität erbaut, da es immer noch steht und seit Jahren als Guest House genutzt wird. Von Biharamulo sind wir weiter Richtung Osten entlang des Victoria Sees bis nach Mwanza gefahren. Der Ort Mwanza ist alles andere als sehenswert und die hiesige Campsite liegt zwar direkt am Victoria See, ist aber nicht zu empfehlen (Mwanza Yacht Club GPS Koordinaten S2 31.745 E32 53.652).

Am folgenden Tag ging es weiter bis zum Rande der Serengeti.  Wir haben festgestellt, dass Serengeti mittlerweile viel zu überteuert ist und fast als Touristen-Nap bezeichnet werden kann. Alleine die Campsites im Nationalpark kosten stolze 30 USD pro Person und das ohne Leistung – nur Stellplatz, Toilette und kalte Dusche. Sogar die Campsites an der Straße am Rande des Parks kosteten immer noch 15 USD pro Person. Um an dieser Stelle eine kleine Vorstellung davon zu geben, was man im Serengeti Nationalpark zu bezahlen hat, haben wir eine kleine Aufstellung gemacht:

Das bezahlt man:
Für einen Tag Serengeti und einen Tag Ngorongoro Krater (inkl. Fahrt in den Krater), für zwei Personen mit ausländischem Kennzeichen ganze 820  Amerikanische Dollar.

Das bekommt man:
Wirklich schlechte Straßen, die an manchen Stellen bei Regen kaum passierbar sind. Basic Campsites ohne warme Duschen und eine Vielzahl an exotischen Touristen aus allen Herren Ländern, die sich alle an den Highlights sammeln.

Natürlich wollen wir an dieser Stelle nicht verschweigen, dass wir eine artenreiche Tierwelt gesehen haben und durch wunderschöne Landschaften gefahren sind. Unsere besonderen Höhepunkte waren die  riesigen Gnu- und Büffelherden, die von einer großen Anzahl Zebras und Antilopen begleitet wurden. Sogar unsere ersten Löwen haben wir gesehen. Jedoch waren diese von mindestens zehn mit Touristen vollgepackten Safarifahrzeugen umgeben und wir mussten in einer Warteschlange stehen, um das Honeymoon-Löwenpärchen aus der Nähe beobachten zu können. Im Nachhinein sind wir uns einig, es war gut im Serengeti Nationalpark gewesen zu sein, aber wiederkommen müssen wir bestimmt nicht. Wie gut, dass wir weiter südlich in Afrika noch eine Vielzahl von Parks besuchen werden, die nur einen Bruchteil kosten und wesentlich mehr Tiere mit einer geringeren Anzahl von Touristen bieten.

Vom Ngorongoro Krater ging es weiter nach Arusha. Die viel gepriesene Campsite an einem kleinen idyllischen See hatte schon bessere Zeiten gesehen und ging gerade so für eine Nacht. Nachdem wir nun endgültig genug von Regen und kaltem Wetter hatten, beschlossen wir spontan bis an den indischen Ozean in einem Rutsch durchzufahren. Die Bergwelt um den Kilimanjaro hätten wir sowieso nur in Wolken und bei strömendem Regen besuchen können. Vom Kilimanjaro konnten wir auf dem Weg leider nur kurz einen Blick hinter den Wolken erhaschen. Bestiegen haben wir ihn auch nicht, da dies zwischen 1200 USD und 1800 USD pro Person gekostet hätte. Für uns hat es sich gelohnt bis an die Ostküste durchzufahren, da wir im Peponi, einem kleinen Beach Resort mit einer traumhaft gelegenen Campsite gelandet sind und uns bei strahlendem Sonnenschein wieder aufwärmen konnten (GPS Koordinaten S5 17.230 E39 03.936). Das Peponi ist eine angenehme Location, bietet schattenspendende Bäume, das Meer zu Füßen und kostenlose W-Lan-Nutzung von dem um Klassen teureren aber sehr schönen Nachbar-Resort (Kleiner Tipp: Campsite K bei Peponi hat den besten Wi-Fi Empfang und ist auch am schönsten gelegen). Wir genossen den Aufenthalt sehr, vor allem da wir ein nettes Pärchen aus Österreich kennengelernt haben, mit denen wir viel gelacht und gute Gespräche geführt haben.

Unser nächstes Ziel war Sansibar, die Insel mit den längsten, breitesten und weißesten Stränden zumindest von Tansania. Da wir unseren Toyota leider auf dem Festland stehen lassen mussten, haben wir außerhalb von Dar Eh Salaam auf der Mikadi Campsite (GPS Koordinaten S6 49.142 E39 19.252) eine Nacht verbracht und dort unser Auto für vier Tage stehen gelassen. Früh morgens ging es mit dem Tuck Tuck zum Sansibar-Fährhafen. Zuerst mussten wir wie schon am Vortag wieder mit der Auto- bzw. Personenfähre zurück in den Stadtbezirk von Dar Eh Salaam. Die Stadt Dar Eh Salam ist durch eine Meerbucht mit Flussverlängerung zweigeteilt und es gibt keine Brücke nur eine ständig pendelnde Fähre. Die Fahrt dauert nur 5 Minuten, aber mit Wartezeit muss man immer eine Stunde einkalkulieren.  Vorbei an dem zur Hölle stinkenden Fischmarkt ging es dann gleich zu dem angrenzenden Sansibar Fährhafen. Bei den feucht-warmen Temperaturen von tagsüber 40 Grad natürlich ohne Klimaanlage oder Eiswürfel lässt sich der Gestank von dem angebotenen Fisch wohl nicht verhindern. Die Fahrt auf der Fähre war ausgesprochen angenehm, da das Fährschiff brandneu war. In Sansibar angekommen haben wir sofort das Flair von exotischen arabischen und indischen Kulturen gespürt. Sansibar war früher eines der Haupthandelszentren und die Verbindung zwischen Afrika, Arabien und Indien und das spiegelt sich bei dem Mix der dort lebenden Menschen und in der Architektur wieder. Bis zum heutigen Tage werden die fremdartigsten Gewürze angebaut, die mit einer organisierten Spice Tour zu begutachten sind (allerdings zum Preis von 50 USD pro Person). Einem guten Tipp folgend, haben wir uns bei den Paradise Beach Bungalows an der Paje Beach einquartiert. Das Resort wird schon seit 20 Jahren von einer Japanerin geführt, die gute traditionelle japanische Küche anbietet. Es ist schon verrückt, mitten in Afrika bestes japanisches Essen mit Sushi, Sashimi, Teriyaki, Tempura, etc. genießen zu können.  Die Besitzerin hat als besondere Zutat sogar jeden Morgen frisches Seegras aus dem Meer geholt. Das Seegras wird von den Einheimischen professionell angebaut, da sich die Bucht vor dem Resort hervorragend dafür eignet.  Die Bucht ist sehr flach und das Meer zieht sich bei Ebbe so stark zurück, dass über einige Hundert Meter nur weißer Sandstrand und das angebaute Seegras zu sehen ist. Wir hatten an diesem wundervollen Ort vier erholsame Tage mit Lesen und Computerarbeit verbracht. Eigentlich wollten wir länger bleiben, jedoch kitzelte uns das Abenteuer wieder und wir wollten vor allem zu unserem Auto zurück. Glücklicherweise stand unser Toyota noch genauso da, wie wir ihn verlassen hatten. Wir blieben noch eine Nacht auf der sehr netten Mikadi Campsite und haben den nächsten Tag mit Einkaufen in Dar Eh Salam verbracht. Vor allem mussten wir wieder Vorräte aufstocken, da es bald nach Malawi weitergehen sollte.

Da wir noch eine weitere Campsite am Strand von Dar Eh Salaam ausprobieren wollten, und das Kipepeo (GPS Koordinaten S6 51.102 E39 21.697) von mehreren Leuten empfohlen wurde sind wir ein paar Kilometer weitergefahren. Jedoch hat uns die Mikado Campsite wesentlich besser gefallen. Der einzige Vorteil war, dass wir unsere Österreicher, Vesela und Wolfgang vom Peponi wiedergetroffen haben. Das war eine große Freude. Deshalb blieben wir auch zwei Tage auf der Campsite bevor wir uns Richtung Süd-Westen gemacht haben um so langsam Malawi anzusteuern.

Die Hauptstraße Richtung Westen führte uns durch wunderschöne Landschaften. Besonders hat uns  das Tal der Baobab-Bäume gefallen. Diese beeindruckenden großen Bäume können bis zu 10 Meter Durchmesser bekommen. Ein weiterer Höhepunkt der Strecke war die Durchfahrt durch den Mikumi National Park, denn wir hatten großes Glück. Wofür andere mehrere Stunden bei hohen Eintrittspreisen durch den Park cruisen müssen, wurde uns beim Vorbeifahren präsentiert. Direkt neben der Hauptstraße graste eine große Herde Elefanten, Zebras, einige Giraffen und viele viele Antilopen. Herrlich! Gleich am Rande des Nationalparks steuerten wir die Tan-Swiss Campsite an (GPS Koordinaten S7 23.786 E37 00.111) um die Nacht dort zu verbringen. Die Campsite wird seit über zehn Jahren von einem Schweizer betrieben.  Er hatte sich sehr gefreut, Gäste von seinem ehemaligen Nachbarland zu sehen und erzählte uns von seinen täglichen Herausforderungen in Tansania, die zum Teil nicht einfach sind. Trotzdem möchte er das Land niemals verlassen und in die Schweiz zurückgehen.

Unser nächster Anlaufpunkt war die bekannte Old Farm in Kisolanza ( GPS Koordinaten S8 08.747 E35 24.737).  Es ist ein herrlicher Ort, an dem man es gut länger aushalten kann, jedoch hatte uns der Regen wieder eingeholt, und wir blieben nur eine Nacht. Die „Old Farm“ ist seit mehreren Generationen im Besitz einer englischen Familie. Die Besitzerin hat auf dem Grundstück traumhafte Gästehäuser und eine schöne Campsite aufgebaut.  Auf der Farm wird hauptsächlich Tabak angebaut und vielerlei Gemüse mit dem wir uns gleich eingedeckt haben.

Da die Grenze zu Malawi noch über 300 km entfernt war und wir nicht nachmittags einreisen wollten, haben wir noch eine Nacht kurz vor der Grenze auf einer lokal geführten Community Campsite übernachtet. Gleich am nächsten Morgen fuhren wir über die Grenze nach Malawi.

Obwohl Tansania unglaublich viel zu bieten hat, hat dieses Land bei uns einen schlechten Beigeschmack hinterlassen. Seine artenreiche Tierwelt, schneeweißen Strände, schönen Landschaften und die faszinierende Bergwelt ist einfach viel zu überteuert und manche Tansanier können schon fast als gierig bezeichnet werden. Uns haben aber nicht alleine nur die Eintrittspreise geärgert sondern vor allem der schlechte Standard und Service dafür. Wir hatten aber trotzdem eine gute Zeit und haben uns sehr auf Malawi gefreut.

Jambo heißt so viel wie „hallo“ in Kisuaheli und wir wurden überall so begrüßt. Kisuaheli wird in Kenia, Uganda, Tansania und zum Teil in Ruanda und Malawi gesprochen.

Unsere Highlights:

  • Der Serengeti Nationalpark und Ngorongoro Krater
  • Die schönen Strände von Zanzibar
  • Das Tal der Baobab Bäume

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