Buchtipp Afrika

„Welchen Weg sollen wir nehmen? Den nach links oder den nach rechts? Oder doch den in der Mitte? Alle Wege sehen gleich aus. Ratlos stehen wir an der Gabelung zwischen Lisala und Gemena, irgendwo im Herzen des Kongobeckens, in einem unermesslichen Waldmeer, das von namenlosen Flüssen durchädert wird.“ Im Herzen des Kongobeckens sehen alle Wege gleich aus, schreibt Bartholomäus Grill etwas resigniert – und meint es wohl auch im übertragenden Sinn. Trotz aller Sympathie für Afrika und seine Menschen, ist Grill sehr enttäuscht über den Stillstand auf diesem Kontinent.

Bartholomäus Grill, seit vielen Jahren Afrika-Korrespondent der „Zeit“, zeigt die tiefgreifenden Folgen des Sklavenhandels und der Kolonialherrschaft, widerlegt aber zugleich die postkolonialen Verschwörungstheorien, die alle Schuld an der Misere bei der Ersten Welt suchen. Die Hauptverantwortung liege bei den Afrikanern selbst, bei despotischen Präsidenten und plündernden Eliten. Die Modernisierung Afrikas, so Grills provozierende Kernthese, musste scheitern, weil die Afrikaner sich ihr verweigert haben.

Das alte Afrika ist gestorben, das neue noch nicht geboren. Grill beschreibt einen zwischen Tradition und Moderne zerrissenen Kontinent. Die Welt im Süden der Sahara befindet sich in einem Umbruch wie Europa während des Dreißigjährigen Krieges. Staaten zerfallen, Bürgerkriege flammen immer wieder auf, Millionen von Menschen irren heimatlos umher. Aids rafft ganze Völkerschaften hin. Es könnte Jahrzehnte dauern, ehe sich zwischen Khartum und Kapstadt eine stabile Ordnung herausbildet.

Afrika ist eine Welt der Widersprüche, geprägt durch die reiche Vorstellungswelt seiner Menschen, ihre sozialen Regeln und Rituale, ihre Träume und Tabus, ihre Machtstrukturen und Glaubenssysteme. Diese Welt erscheint oft roh und gewalttätig, dann wieder zeitlos heiter und gelassen. Bartholomäus Grill hat sie uns erschlossen.

Pressestimmen

 

„Grills ‚Ach Afrika‘ ist sicherlich das fairste und gescheiteste Buch, das in den vergangenen Jahren von einem deutschen Autor über den Kontinent vorgelegt wurde.“ (Süddeutsche Zeitung )

„Das beste deutschsprachige Afrika-Buch der vergangenen Jahre.“ (Spiegel )

„Was ‚Ach, Afrika‘ von der Fülle ähnlich gut gemeinter Werke unterscheidet, ist seine erzählerische Kraft. Streckenweise liest sich ‚Ach, Afrika‘ wie ein Roman, lässt Bilder von schauriger Kraft entstehen und schlägt literarische Verbindungen zwischen dem Leben einfacher Menschen und der großen Politik.“
(Kölner Stadt-Anzeiger )

Informativ, fesselnd geschrieben, „zuweilen allerdings recht pointillistisch“ findet Rezensent Andreas Eckert diese Auseinandersetzung mit der „Geschichte und Gegenwart der Gesellschaften südlich der Sahara“. Als Kernthese des Buches beschreibt Eckert, dass die Folgen von Sklavenhandel und Kolonialismus zwar bis heute spürbar seien, aber für die katastrophale Situation nicht allein verantwortlich gemacht werden könnten. Auch raffgierige Despoten und die generelle Modernisierungsverweigerung trügen Mitschuld am Elend des Kontinents. Trotz teilweise faszinierender Einblicke vermisst der Rezensent jedoch wirklich neue Gedanken im Buch des Zeit-Korrespondenten Bartholomäus Grill. Hart gehe er mit seiner Berufsgruppe, den Journalisten und ihrer Afrika-Berichterstattung ins Gericht. Doch auch er sei nicht gefeit gegen Klischees und Generalisierungen, findet Eckert. Allerdings habe Grill die Größe vergangene Irrtümer schonungslos einzugestehen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Einen zwiespältigen Eindruck hat das Afrika-Buch des „Zeit“-Korrespondenten Bartholomäus Grill bei dem „ach.“ zeichnenden Rezensenten hinterlassen. Beeindruckend findet er die Fülle der Erlebnisse und Erfahrungen, die Grill schildert. Wie er das macht, gefällt dem Rezensenten allerdings weniger: zu schnell, zu hektisch, wie in einem „Actionfilm“ erscheint ihm Grills Erzählweise. Dem Gewinn an Spannung und Lesbarkeit steht nach Ansicht des Rezensenten ein nicht zu rechtfertigender Verlust an theoretischer Durchdringung gegenüber. Verlässt Grill doch einmal die Ebene des Persönlichen und Anschaulichen, dann nur, um Zuflucht in „Versatzstücken aus dem Arsenal der politisch korrekten Pseudopsychologie“ zu nehmen, tadelt der Rezensent. Bei den wenigen Bezügen zur Sekundärliteratur haben sich zum Bedauern des Rezensenten zudem immer wieder Fehler eingeschlichen, da es Grill offenbar versäumt hat, das Gelesene oder Gehörte zu überprüfen. (NZZ Neue Zürcher Zeitung)

Ein „Bilderbuch für Erwachsene“, „ohne Bilder“, dafür „sprachlich kunterbunt“, urteilt Rezensent Dominic Johnson über diesen Bericht von Bartholomäus Grill über seine Erfahrungen als Afrikakorrespondent. Zwar warne Grill zunächst davor, Afrika als Projektionsfläche zu benützen, aber nur, um sich dann zum europäischen Blick auf Afrika zu bekennen, ärgert sich Johnson, der in Grills Buch vor allem einen Wiederaufguss alter Afrikaklischees sieht. Er hält dem Autor vor, Formulierungen mit leicht rassistischem Unterton zu gebrauchen, bei denen oft unklar bleibe, ob sie ernst gemeint seien oder nicht. „Verräterisch“ findet Johnson Grills Umgang mit Nichtwissen. So bringe Grill manches selbst durcheinander, etwa wenn er bei der Beschreibung der internationalen Passivität während des Kongokrieges ein Massaker in die Stadt Bunia unter die Augen von UN-Soldaten verlege, obwohl es in Wirklichkeit in einem Dorf außerhalb des UN-Einsatzgebiets stattgefunden habe. Johnson wirft Grill zudem vor, Thesen mit „exotischen Momentaufnahmen“ zu illustrieren. Den Gipfel dieses „leichtfertigen Umgangs mit der Wirklichkeit“ stellt für Johnson Grills Behauptung dar, dass Afrikaner – zu ihrem Glück – kein historisches Gedächtnis hätten. „Man kann“, schließt der in keiner Weise überzeugte Rezensent, „nach der Lektüre dieses Buches Bartholomäus Grill verstehen. Afrika nicht.“ (TAZ Die Tageszeitung)

Eine profunde und sehr persönliche Darstellung des widersprüchlichen Kontinents hat der langjährige Afrika-Korrespondent der Zeit, Bartholomäus Grill, hier vorgelegt, lobt Rezensent Michael Bitala. Nicht nur mit sich selbst geht er kritisch ins Gericht, sondern auch mit der von Politologen und Ethnologen häufig geforderten Afrikabrille, die eine sehr europäische Herangehensweise ersetzen müsse, wobei „sich der Reporter auch über die Wahrnehmung Afrikas, über Klischees und Vorurteile“ amüsiert. Ebenso unterhaltsam sei seine Abrechnung mit den afrikanischen Despoten und ihrer Machtgier. Trotz der Eindringlichkeit und seinem Unterhaltungswert dürfte das Buch aber kein Bestseller werden, fürchtet Bitala in der Logik der Resignation, da es zu gründlich recherchiert, detailliert „und auch zu ehrlich“ sei. Dennoch findet der Rezensent in „Ach Afrika“ das wahrscheinlich „fairste und gescheiteste Buch, das in den vergangenen Jahren von einem deutschen Autor über den Kontinent vorgelegt wurde“. (Süddeutsche Zeiteung)

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: 2.Auflage (9. Mai 2005)
Sprache: Deutsch

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Ach, Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents


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