Herbststimmung

Simbabwe, einst das wirtschaftlich erfolgreichste Land Afrikas, wovon fast nichts mehr übrig geblieben ist. Das eigentliche Traumland der Bodenschätze, des fruchtbaren Farmlands, der wunderschönen vielseitigen Nationalparks sowie der serviceorientierten und kreativen Menschen. Ein politisches Desaster ohne Zukunftsperspektiven für die Bevölkerung.

Wie nicht anders erwartet, war der Grenzübergang bei den Victoriafällen auch hier wieder im Nu erledigt und wir fuhren bereits nach fünzehn Minuten in den Ort Victoria Falls. Da wir den um diese Jahreszeit angewachsenen vierhundert Meter hohen Sprühregen von der Entfernung betrachten wollten, blieben wir noch eine Nacht in dem Ort und machten uns zu Fuß auf den Weg zu dem Victoria Falls Hotel. Von dort hatten wir einen grandiosen Blick auf die Länderverbindungsbrücke und den in Regenbogenfarben schimmernden Sprühregen. Eine Nacht in dem traditionellen Kolonialhotel war uns etwas zu teuer, deshalb begnügten wir uns mit einem „High Tea“ am Spätnachmittag mit herrlicher Aussicht. In dem Ort Victoria Falls sahen wir an jeder Ecke einen Kraft Shop oder Market, die mit den  Kunstwerken des ganzen Landes ausgestattet waren. Die Simbabwer sind große Meister der afrikanischen Stein- und Holzskulpturen und irgendwie produzieren sie aus allen Materialien etwas Kreatives.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Hwange Nationalpark und blieben zwei Nächte in dem Sinamatella (GPS Koordinaten S18 35.139 E26 19.101) Camp auf einem Berg mit herrlichem Blick in die unberührte Weite des Parks. Da das Camp nicht eingezäunt war, mussten wir auch hier mit nächtlichen Besuchern rechnen und verpackten wieder alles geruchsdicht. Allerdings hörten wir nachts die Löwen und Elefanten nur von der Entfernung brüllen bzw. tröten. Der Hwange National Park ist bekannt für seine großen Elefantenherden und wir hatten Glück, schon beim Aufwachen graste eine Herde unten am Berg. An dem Tag muss der Elfantenwandertag gewesen sein, denn alle paar Meter lief oder graste eine Herde vor unserem Auto. Am zweiten Tag nahmen wir einen „Sundowner“ auf unserem Toyotadach direkt an einem Damm  ein und beobachteten eine große Anzahl von Krokodilen und Nilpferden. Was uns völlig verblüffte war, dass am nächsten Morgen Einheimische bis zur Hüfte in diesem Damm standen und fischten. Die Gefahr eines Verlustes wird wohl aus Verzweiflung einkalkuliert. Wir blieben noch eine Nacht im Jambili Private Campsite (GPS Koordinaten S18 55.382 E26 53.221), wo wir einen sehr netten Abend mit einem Dortmunder Pärchen verbrachten und viele Tipps und Erfahrungen ausgetauscht haben. Die beiden haben ihr Auto in Namibia stehen und sind ca. drei Monate im Jahr in Afrika unterwegs.

Nach vier Tagen ständigem Cruisen durch den herbstlichen National Park  gönnten wir uns zwei Autoerholungstage auf der Worlds View Campsite (GPS Koordinaten S20 30.146 E28 25.575) in der Nähe von Bulawanyo. Der Blick auf den Matobo  Nationalpark war tatsächlich spektakulär.  Wir waren sehr erstaunt, einen weißen Besitzer vorzufinden und fragten ihn sogleich, ob er seine Farm noch nicht abgeben musste. Er ist einer der wenigen übriggebliebenen weißen Farmer in Simbabwe. Sein großer Vorteil ist die Nähe zu dem Matabo Nationalpark, und dass er keinen Farmbetrieb hat. Jedoch sprach er mit hervorgehobener Hand und hofft, dass er keine Aufmerksamkeit erregt. Es ist wirklich traurig zu sehen, dass die vor wenigen Jahren enteigneten Farmen mittlerweile alle brach liegen. Die Felder der ungefähr 200 abgegebenen Großgrundfarmen sind ausgetrocknet und es wächst fast nichts mehr. Präsident Mugabe muss die enteigneten Farmen an Freunde, Bekannte oder Verwandte weitergegeben haben, die entweder gar keine oder wenig Erfahrung mit Agrarwirtschaft hatten. Da nur noch wenige Grundnahrungsmittel im eigenen Land produziert werden, muss alles zu enorm hohen Preisen von Südafrika importiert werden. Die Preise sind astronomisch und das können sich nur die wenigsten leisten. Viele Menschen sind arbeitslos und vielleicht ist das ein Grund weswegen die Wilderei in den Nationalparks immer mehr zunimmt und die Tierbestände erschreckend zurückgehen.

Nach zwei kühlen Nächten auf der Farm besuchten wir den Matabo Nationalpark. Matabo ist bekannt für seine sehr alten Höhlenmalereien und die balancierenden Felsformationen. Es ist ein sehr spiritueller Ort, den schon die alten Buschmänner früher regelmäßig aufgesucht haben. Der Park bietet viele Wanderwege (allerdings auch viele Schlangen) und war besonders jetzt zur kühleren Jahreszeit wunderschön durch das herrliche Farbenspiel der Laubbäume (fast wie bei uns im Herbst). Nur wenige Touristen besuchen den kleinen Park und so waren wir umso mehr erfreut, auf ein Freiburger Pärchen zu stoßen. Die beiden haben ebenfalls ihren Landcruiser in  Südafrika stehen und sind mehrere Male im Jahr in Afrika. Da wir uns gar nicht mehr losreißen konnten von dem spannenden Erfahrungs- und Geschichtenaustauch hatten wir eine gemeinsame Campsite direkt an einem See mit Blick auf die balancierenden Felsen gesucht.

Unser nächstes Ziel waren die gut erhaltenen Ruinen des Great Simbabwe aus dem 13ten  Jahrhundert, da diese günstig auf unserer Strecke nach Mozambique lagen. Besonders beeindruckend war der Blick von den oberen Bergruinen. Auf der dazugehörigen Campsite  (GPS Koordinaten S20 16.290 E30 55.843) trafen wir auf die Schweizer Familie, mit der wir vor unsere Afrika-Abreise mehrere emails ausgetauscht hatten. Die Schweizer sind seit Juli mit ihren vier und sechs Jahre alten Kindern unterwegs und sind ungefähr die gleiche Tour gefahren wie wir (sie sind sogar durch Syrien gefahren). Die ganze Family hat, wie wir auch, jeden Tag genossen. Das bestätigt wieder, man kann so eine Reise wunderbar auch mit Kindern machen.  Natürlich ist ihr kleiner umgebauter LKW viel komfortabler ausgebaut als unser Toyota aber trotzdem, es geht alles.

Von den Bergruinen ging es in die um die Jahreszeit sehr kühle Bergwelt von Zimbabwe, zu der Ndundu Lodge und Camping (GPS Koordinaten S19 07.089 E32 46.548) im Vumba Botanical Reserve. Wir fuhren durch eine herrliche dschungelartige Landschaft und konnten uns nicht sattsehen an den riesigen afrikanischen Bäumen und den satten, blühenden Farben der Pflanzen. Die Gegend muss zu Glanzzeiten Simbabwe’s ein feudaler Erholungs- bzw. Rückzugsort  gewesen sein, da die luxuriösen Villen und Hotels den ehemaligen Reichtum des Landes nur erahnen lassen. Da uns die Temperauren zu kühl waren (tagsüber, sonnig 25 Grad, nachts 5 Grad) blieben wir nur eine Nacht und machten uns auf den Weg zur Mozambiqueanischen Grenze.

Überall im Land sahen die Unterkünfte und Campsites die sehr renovierungsbedürftig aussahen, da aufgrund der politischen Lage der Tourismus über Jahre hinweg komplett eingebrochen ist. Mittlerweile sind die Urlauberzahlen zwar wieder ansteigend jedoch immer noch sehr niedrig aufgrund der in manchen Ländern eingeschränkten Reisewarnungen. Hinzu kommt, dass profitbringende Institutionen einfach enteignet werden und so hält jeder sein Anwesen auf „Low-Standard“. Des Weiteren wird es einigen Nationen wie zum Beispiel den Südafrikanern nicht einfach gemacht in Simbabwe zu reisen. Wir haben von vielen gehört, dass sie bei den Straßenpolizei-Checkpoints Unmengen an Schmiergeldern bezahlen mussten und ihr ganzes Auto auseinandergenommen wurde. Wir wurden einfach nur durchgewunken und mussten noch nicht einmal anhalten. Was uns ebenfalls im ganzen Land von Anfang an besonders aufgefallen ist war, wie gut trainiert, clever und schnell das Servicepersonal ist. Zimbabwe war nicht nur das wirtschaftlich erfolgreichste Land sondern hatte auch mit das beste Bildungssystem des Kontinents. Bei zahlreichen Unterhaltungen mit Einheimischen konnten wir die Verzweiflung und Machtlosigkeit der Menschen heraushören. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich an der politischen Lage in Simbabwe bald etwas ändert.

Unsere Highlights:

  • Der sagenhafte Blick auf den Sprühregen vom Vic Falls Hotel
  • Die „Elefantenjagt“ im Hwenge Nationalpark
  • Der schöne Blick von der World View campsite
  • Der erholsame Matabo Nationalpark
  • Die alten Bergruinen von Great Simbabwe
  • Die traumlandschafte Bergwelt…..

10 Kommentare

  1. Hallo,

    super Berichte und Anregungen die ich gerne aufnehme. Ich nehme eure Berichte zur Einstimmung und wünsche weiterhin viel Freude. Vielleich trifft man sich.

    Grüße

    Wolfgang

    Antworten
    • Hallo Wolfgang,

      viel Spaß beim Einarbeiten und große Vorfreude auf Euren Urlaub. Habt Ihr schon Termin und Ziele geplant?

      Gruß, Rolf

  2. Hallo Rolf, mache hier noch mal einen neuen Post auf, da es sonst nicht mehr leserlich ist. bezüglich des Fahrzeuges schau mal bei Caprvi Car Hire nach. Die sind in Windhoek. Auch fährt man mit einem namibischen Kennzeichen viel entspannter in Zimbabwe als mit einem Südafrikanischen. Caprivi hat auch Busch Camper. Wenn das interessant klingt, dann kann ich dir eine Adresse vermitteln, wo Du Fahrzeuge von Caprivi Car Hire etwas günstiger bekommst als den original Preis. http://www.caprivicarhire.com/en/vehicles-with-camping/bushcamper
    Von Namibia brauchst Du etwa 3 Tage. Dann fährst du durch Botswana (Trans-Khalahari) und dann direkt über den Pandamatenga Border Post (offen von 08:00 – 16:00 Uhr) nach Zimbabwe. Von da ist es nicht mehr weit bis zum Hwange Nationalpark. Du kannst nach Windhoek Fliegen mit Air Namibia. Der Zusatzflug von VicFalls zurück ist günstig, wenn er mit dem Internationalen Flug zusammen gebucht wird. Caprivi bietet auch Einwegmiete an, so wenn die Zeit knapp wir, dann lass das Auto in Vic Falls und flieg über Windhoek zurück. Andernfals würde ich über den Caprivistreifen (Nambwa 4×4 ist eine schöne Campsite, Rundu, Grotfontain, Waterberg Windhoek, zurückfahren.

    Übernachten in Zimbabwe war nie ein Problem. Selbst in den Nationalparks. Einzige Ausnahme sind die Privaten Campsites in Hwange Nationalpark (Kennedy, Jambili usw.) https://www.africaexpedition.de/campsite-directory/4593/jambili-private-campsite/ Allerdings waren wir nie im Hotel in Zimbabwe.

    Antworten
    • Hallo Mossi,
      wir haben uns um die Variante mit Start in Windhuk und Rückflug ab Livingstone gekümmert. Ist zwar etwas mehr anKilometern zu Beginn durch die Kalahari, aber der Rückflug ab Vic falls entspannt, statt der Rückfahrt ab Bulawayo nach Johannesburg. Wir werden wohl doch einhen Toyota Hilux DC mit Dachzelt nehmen. Du hattest eine Adresse in Aussicht gestellt, wäre nett, wenn Du diese mal nennst. Wie ist der Kalahari-highway ab Maun bis Pandamatenga an der Grenze zu Zimbabwe zu fahren? Ist der Grenzübertritt entspannter als von Südafrika nach Zimbabwe in Beitbridge? Gibt es noch Tipps für diese Route, z.B. Camps unterwegs?
      Danke, Rolf

  3. Auch wir planen einen Selbstfahrerurlaub in Zimbabwe. Aber es stellt sich wirklich die Frage, ob man es machen kann oder lieber warten sollte?

    Wer hilft uns bei der Entscheidung?
    Rolf Müller

    Antworten
    • Rolf Müller, ich denke Selbstfahrerurlaub nach Zimbabwe ist im Moment kein Problem. Hast Du schon Afrika er-fahrung?

    • Hallo Mossi,

      wir waren bisher auf Zanzibar, in Südafrika Gardenroute und in Namibia als Selbstfahrer. Wir wollen jetzt von Johannesburg eine Rundreise durch Zimbabwe machen, hoch bis Mana Pools zum Kariba-See und über Victoria-Fälle , Hwange NP im Westen zurück.
      Haben 3,5 Wochen Zeit. Ist das zu schaffen?
      Gruß, Rolf

    • Von Johannesburg ist man recht schnell in Manapools ( 2 – 3 Tage). Auf dem Weg hoch sollte man zu den Ruinen von Greater Zimbabwe. Sind sehenswert.
      Von Manapools gibt es eine Fähre über den Lake Karriba. Die dauert 22 Stunden und ist wirklich zu empfehlen (von Kariba nach Mlibizi) http://www.karibaferries.com Dann ist es nicht weit bis Vic Falls. Runter geht es dann über den Hwange Nationalpark (min. 3-4 Tage) und den Matabo Nationalpark (1 – 3 Tage) wieder nach Johannesburg. 25 tage sind nicht viel, aber bei guter Organisation sollte das gut möglich sein. Auf Jeden Fall wünschen wir Euch einen gute Reise.

    • Hallo Mossi,

      Dank für den Tipp mit der Kariba-Fähre. Wir hatten bisher immer gehört, dass diese eingestellt sei.
      Hast Du noch einen Tipp für einen 4×4-Vermieter, der nicht die üblichen Dachzelte, sondern einen bushcamper vermietet, (Landcruiser o. ä. mit Aufstelldach. Unsere Anbieter lassen uns nicht nach Zimbabwe rein. Müssten dann doch auf Dachzelt umsteigen, (wird dasnn wohl world wide wheels aus CH).
      Gruß, Rolf

    • Hallo Mossi,

      noch eine Frage. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht zum Thema Lodges und campsites? Muss man alles vorbuchen oder gibt es Differenzierungen z. B. zwischen den privaten Unterkünften und den NP? Infos wären toll. Danke, Rolf

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.