Willkommen im Mittleren Osten

Raus aus der strengen Organisation, aus den vielen Sicherheitskontrollen und rein in den Orient. Handeln, fliegende Händler an der Autobahn, Männer in langen Gewändern, kopftuchtragende Frauen, Luxus-Limousinen die zwischen Ziegenherden parken, Menschen die neben Ziegen, Eseln oder Kamelen leben und gleichzeitig  viele Luxushotels und Resorts. Gastfreundliche, ehrliche Bewohner. Eintauchen in ein faszinierendes Land mit vielen Kontrasten.

Am 23.10.2011 sind wir früh  morgens in Eilat aufgebrochen und haben die Grenze nach Jordanien überquert. Die Ausreise war völlig problemlos:  Zollpapiere abgegeben, 100 Schekel (ca. 20 €) bezahlt und nach 15 Minuten waren wir schon auf der jordanischen Seite. Dort durch die Passkontrolle, für eine Woche Autoversicherung abgeschlossen (Kostenpunkt 24 JHD, ca. 25 €) und nach 20 Minuten waren wir in Jordanien. Das war richtig erholsam nach der herausfordernden Israel-Einreise 10 Tage vorher. GPS Geräte dürfen nach Jordanien nicht eingeführt werden, wenn sie nicht fest in das Fahrzeug eingebaut sind. So hatten wir natürlich keines dabei und haben uns  erst einmal bis Aqaba durchgefragt, da wir auch keine Karten besitzen. Zuallererst hatten wir eine Tankstelle aufgesucht. Der Liter Diesel liegt momentan bei 0,51 JHD (ca. 0,55 €). Da macht es richtig Spaß, die Tanks zu befüllen (wir haben schließlich zwei Tanks mit insgesamt 220 Litern).

Von Aqaba fuhren wir direkt nach Petra, und sind am späten Nachmittag in dem Beduinen-Camp Ammarin eingetroffen. Mitten in der Wüste gelegen, einen Steinwurf entfernt von Klein Petra, liegt es eingebettet in hohe, von Erosion bizarr geformten Felsen, die eine traumhaft schöne Landschaft bilden (GPS Koordinaten N30°22.912′ E35°27.032′). Nette Beduinen, saubere Toiletten und eine unglaubliche Stille, so ganz ohne Generatoren-Lärm  (Camping in Israel), Fluglärm (Camping in der Einflugschneise Eilat, Israel) oder dem netten Muezzin von nebenan, der einen häufig in muslimischen Ländern vor Sonnenaufgang aus den Federn hochfahren lässt. Keine stinkenden Mülltonnen direkt neben dem Zelt und vor allem niemanden der das Auto und uns begutachtet als seien wir von einem anderen Planeten. Kurzum, ein fabelhafter Ort, der nur weiterzuempfehlen ist. Deshalb haben wir dort insgesamt drei Nächte verbracht.

Nachdem wir die vergangenen Tage ein straffes Programm abgespult haben, war es an der Zeit, einen gemütlichen Tag einzulegen. Ausschlafen (bis 07:30 Uhr, da man immer mir der Sonne lebt), Bankgeschäfte und Erledigungen machen, etc. Nachmittags haben wir uns Klein Petra angeschaut und haben dort zufällig Tom und Susi getroffen. Tom hatten wir auf dem Campingplatz in Venedig vor zwei Wochen kennengelernt. In der Gruppe ist auch noch Marc, den wir zuvor in Wadi Musa getroffen haben (klein ist die Welt). Die drei sind mit ihren Motorrädern  auch auf ihrem Weg nach Südafrika. Susi, Mark und Tom sind nicht das erste Mal unterwegs. Ihren Blog findet man unter 321offroad.com. Es gab viel auszutauschen (Routen, Erfahrungen, etc.) deshalb hatten wir uns bei den Beduinen zwischen den Felsen in Klein Petra bei einem Glas Tee festgequatscht. Zurück im Ammarin Beduinen-Camp, gemütlich am Feuer, erzählten uns die Guides, dass die Unruhen in Syrien, Ägypten und Libyen den Tourismus in Jordanien sehr negativ beeinflussen. Scheinbar ist der Tourismus dramatisch eingebrochen – zumindest war das Beduinen-Camp fast leer, als wir dort waren. Schlecht für die Leute von Petra, aber gut für uns. Zumindest sind wir nicht allzu vielen Touristen außerhalb der Hauptattraktionen begegnet.

Am 25. 10. 2011, nach einer weiteren eisigkalten Nacht, haben wir Petra besichtigt. Die Eintrittspreise von 55 Euro sind zu Beginn abschreckend, aber am Ende des Tages kann man sagen, dass sich jeder Euro gelohnt hat. Wir haben noch nichts Vergleichbares gesehen (und wir sind beide schon viel gereist). Selbst die Akropolis wirkt eher unscheinbar neben Petra. Es ist unvorstellbar, dass hier einmal fast 100.000 Menschen gewohnt haben. Lässt man die Massen von Touristen und die Einheimischen die einem etwas verkaufen wollen außer Acht, dann ist Petra ein magischer Platzt auf diesem Planeten. Die Kontraste zwischen der zerklüfteten Landschaft und den zum Teil sehr gut erhaltenen Bauwerken, die zumeist aus den Felsen gehauen wurden, sind wie ein Eintauchen in eine andere Zeit und Welt. Die einheimischen Beduinen leben immer noch in den Felsenhöhlen von Petra und versuchen tagsüber mit allen Tricks, die Touristen  auf Ihre Transportmittel zu locken (Pferde, Kutschen, Esel, Kamele). Einer hatte seinen super speed Esel Ferrari genannt  und war damit unglaublich erfolgreich.

Zurück  im Ammarin Beduinen Camp haben wir zwei Tour-Guides aus Amman getroffen, die in Jordanien Offroad-Touren anbieten. Die beiden sind eine gute Anlaufstelle für Ausrüstung, Tipps und Informationen rund ums Fahrzeug. No1 4×4 8, Salim  Bin Al-Harath Al Bayader Industrial Area. Arman. Tel. 06-581-6174. E-mail no14x4@gmail.com.

Am 26. 10. 2011 ging es nach Wadi Rum zum Offroadfahren in die Wüste. Endlich Tiefsand, endlich wild Campen mit Lagerfeuer. Von Petra haben wir uns am Vormittag gemütlich  auf den Weg, Richtung Wadi Rum gemacht. Dort wurden wir sehr nett im Visitor Center begrüßet. Einmalige kosten pro Person 5 JHD und 20 JHD für das Fahrzeug (insg. ca. 33 Euro). Der Preis beinhaltet ein Abendessen im Beduinen-Camp und Frühstück. Uns hat es aber unter den Nägeln gejuckt, deshalb wir sind gleich in den Tiefsand, Richtung Osten aufgebrochen um dort wild zu campen. Wadi Rum ist eine Mischung aus hohen, zerklüfteten Bergen, tiefen Schluchten, mit immer mal wieder dazwischenliegenden großen Sanddünen. Alle paar Minuten ändert sich die Landschaft und eröffnet  neue, spektakuläre Naturszenen. Lawrence von Arabien, der hier lange gelebt hat, hat folgendes Zitat hinterlassen, welches die Stimmung dieser Landschaft sehr treffend wiedergibt:

„Die Geschichte auf diesen Seiten ist nicht die Geschichte der arabischen Bewegung, sondern die meiner Beteiligung daran. Es ist die Erzählung des täglichen Lebens, unbedeutender Geschehnisse kleiner Menschen. Hier gibt es keine Lektionen für die Welt, keine Enthüllungen, um die Menschen zu schockieren. Sie ist voll von trivialen Dingen, zum Teil deshalb, dass niemand die Überreste, aus denen ein Mann eines Tages Geschichte machen könnte, fälschlich für Geschichte hält, und zum Teil wegen des Vergnügens, das ich bei der Erinnerung an meine Beteiligung an dieser Revolte hatte. Wir alle waren überwältigt, wegen der Weite des Landes, des Geschmacks des Windes, des Sonnenlichts und der Hoffnungen, für die wir arbeiteten. Die Morgenluft einer zukünftigen Welt berauschte uns. Wir waren aufgewühlt von Ideen, die nicht auszudrücken und die nebulös waren, aber für die gekämpft werden sollte. Wir durchlebten viele Leben während dieser verwirrenden Feldzüge und haben uns selbst dabei nie geschont; doch als wir siegten und die neue Welt dämmerte, da kamen wieder die alten Männer und nahmen unseren Sieg, um ihn der früheren Welt anzupassen, die sie kannten. Die Jugend konnte siegen, aber sie hatte nicht gelernt, den Sieg zu bewahren; und sie war erbärmlich schwach gegenüber dem Alter. Wir dachten, wir hätten für einen neuen Himmel und für eine neue Welt gearbeitet, und sie dankten uns freundlich und machten ihren Frieden.“

(T.E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit, Seite 850).

Das bestimmende Merkmal der Wüste ist nicht etwa die große Weite, das grelle Sonnenlicht und die tausend funkelnden Sterne. Das Bestimmende in der Wüste ist die absolute Stille. Nichts, kein Vogel, kein Knacken, kein Geräusch. So haben wir unsere erste Nacht mit Lagerfeuer in einem Siq (Schlucht) verbracht. Nachts fiel die Temperatur von fast 30°C auf 7°C.

27. 10. 2011. Heute hat Viktoria ihre erste Unterrichtsstunde in Tiefsandfahren bekommen und super bestanden. Düne rauf und Dünne runter fast ohne Probleme. Der Toyota machte alles anstandslos mit. Wir haben nur ein kleines Problem mit dem Batterie-Management von Sterling, das sich immer wieder aufhängt und dadurch die Zweitbatterie nicht mehr auflädt. Mal schauen wie sich das auf unserer weiteren Reise entwickelt.

Nach fast fünf Stunden und über sechzig Kilometer kreuz und quer durch faszinierende Landschaften, haben wir heute unser Lager auf einer Sanddüne neben einem großen Bergmassiv aufgeschlagen. Der Platz war etwas belebter, deshalb hatten wir an diesem Abend viel Besuch von einheimischen Beduinen. Mit Kamel, ohne Kamel, mit Geländewagen oder mit Jagdhunden. Alle waren sehr zuvorkommend und überaus freundlich. Wir haben die Flasche Champagner, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, zum Sundowner bei einer grandiosen Kulisse degustiert. Was für ein wundervoller Tag.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass wir selten so gastfreundlich aufgenommen wurden wie in Jordanien. Wir fühlten uns vom ersten Moment an bis zur Ausreise sehr willkommen.

Am 28.10.2011 früh morgens mussten wir uns von der faszinierenden Kulisse von Wadi Rum verabschieden, um uns auf den Weg nach Aqaba zu machen. Wir kamen gegen mittags in Aqaba an und besorgten uns sogleich das Ferry-Ticket nach Ägypten am AB Schalter im Zentrum von Aqaba (GPS Koordinaten N 29`31,7951 E 35`0,393975) Abfahrt der Fähre 18:00 Uhr und 16:00 Uhr einfinden am Hafen. Grandiose Zeit dachten wir! Also machten wir uns erst einmal auf die Suche nach Internet um uns wieder auf dem Laufenden zu halten. Das Mövenpick Hotel gab uns netterweise kostenlosen Internet-Empfang in ihrer Hotellobby. Als wir dort saßen, fühlten wir uns wie in einer anderen Welt, fernab von der Backpacker- und Offroad- Szene.  Tiefgefroren bis auf die Knochen von der eisigkalten Klimaanlage gingen wir dann nach 3 Stunden intensiver Computerarbeit wieder zurück in das Getümmel und Gewühle von Aqaba. Pünktlich um 16 Uhr waren wir am Hafen (GPS Koordinaten N 29`27,6032 N 34`58,6530). Jedoch nichts bewegte sich. Die 18:00 Uhr Abfahrtszeit wurde auf 23:00 Uhr bzw. 01:00 Uhr morgens verschoben. Letztendlich sind wir dann um 01:30 h mit unserem Toyota auf die Fähre gefahren und diese legte fast pünktlich mit 9 Stunden Verspätung um 03:00 Uhr morgens ab. Somit wussten wir, dass wir uns Afrika nähern. Auf dem Aqaba- Fährhafen war ein unglaubliches Treiben, Durcheinander und Gezanke von vollbepackten Menschen. Die ganze Stadt Aqaba (wie auch Eilat in Israel) ist eine Duty-Free Zone. Deshalb scheint (so hatten zumindest wir den Eindruck) der ganze Mittlere Osten dort einzukaufen und die Fähre zu benutzen. Die unglaublich großen Gepäckstücke konnten niemals von einer Person alleine auf die Fähre getragen werden. Deshalb gab es dafür bereitgestellte Lastwagen, wofür sich die Leute vor Ort einen Platz für Ihr Gepäck erkämpfen mussten.  Daher das laute Geschrei und Gezeter…

Von der Fahrt mit der Fähre werden wir in unserem nächsten Blog berichten.

Zusammenfassend können wir sagen, dass Jordanien ein absolut faszinierendes Land ist, das jeder einmal bereist haben sollte.

Unsere Highlights waren:

  • Unspektakuläre Einreise nach Jordanien
  • Wunderschöne, faszinierende Landschaften und Sehenswürdigkeiten in Petra und Wadi Rum
  • Offroadfahren im Tiefsand von Wadi Rum
  • Wild Campen unter den Sternen von Wadi Rum
  • Sehr freundliche, hilfsbereite und offene Menschen
  • Chaotische Zustände am Fährhafen in Aqaba

3 Kommentare

  1. Toller Beitrag. Würde gern mehr Posts zu dem Thema lesen. Ich freue mich schon auf die naechsten Posts.

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  2. Ich bin ehrlich gesagt auch neidisch. Die Bilder sehen so toll aus. Ich traue mir aber so eine Reise nicht zu. Das ist mir alles zu unsicher und zu fremd. Ich würde es zwar gerne kennen lernen. Aber meine Angst ist größer…

    Bine

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  3. Ihr Lieben,
    Regen in Italien, ewige Schifffahrten, Bürokratie hielten meine Euphorie ja noch in Grenzen. Aber jetzt bin ich mal richtig neidisch!!
    Wow! Und das ist „erst Jordanien“!!
    Die Fotos sind wirklich klasse! Verkauft Eure Daimleraktien – hier geht nichts mehr: ich gucke mir Euren Blog stundenlang an…
    Genießt es weiterhin!
    Liebe Grüße
    TOM

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